zur Wiedereinweihung der renovierten Rensch-Orgel musizierten am 29.06.2025 in der Stadtkirche Wiesloch verschiedene Musiker der Region.
Sie spielt wieder. Eigentlich schon seit einiger Zeit, aber seit dem Ende der sogenannten „Hauptausreinigung“ nach Ostern bot sich nun erst mit der zweiten Wieslocher Orgelnacht die Gelegenheit, den erfolgreichen Abschluss der Arbeiten zu feiern.
Die Orgel an der Stadtkirche Wiesloch wurde im Frühjahr aufwändig auseinander gebaut und von ölhaltigem Staub und Schmutz befreit. Alle 20 Jahre sollte die Reinigung stattfinden. Letztmalig erfolgte dies 2001 zur Kirchenrenovierung. Dazu wurde die elektronische Setzeranlage zur Speicherung von verschiedenen Pfeifenansteuerungen repariert und zusätzliche Klangverbesserungen eingebaut. Der Eigenanteil der Gemeinde beträgt 50.000 Euro, der schon weit erreicht ist, aber immer noch Restfinanzierungen offen sind. Dazu sollte finanziell die Orgelnacht beitragen, aber auch die erfolgreiche Fertigstellung der Reinigung der 1986 von der Orgelbauwerkstatt Richard Rensch aus Lauffen/Neckar erbauten Orgel gefeiert werden.
Hauptregie am Abend führte Kirchenmusikdirektor und Kantor an der Stadtkirche Christian Schaefer, der mit den Gästen Michael A. Müller, Kantor aus Leimen und Kantor i.R. Detlef Helmer sowie Samuel Cho, Kantor in Hockenheim an der Orgel sowie Ulrike Wettach-Weidemaier mit verschiedenen Flöten den Abend gestaltete. Besonders waren die Einblendungen an der Videowand der Stadtkirche, die technisch von Wolfgang Schreiber koordiniert wurden und dabei den Spieltisch der Orgel mit den 3 Manualen zeigte, die Pedale für den Bass oder auch die Musiker am Klavier vor dem Altar oder am Cembalo auf der Empore.
Schaefer wählte Konzertwerke mit dem Bezug zur Nacht aus, wobei sein Einstieg mit dem „Sonnenhymnus“ von Max Drischner nicht nur ein Lieblingsstück sei, sondern auch ein Werk, das schon bei der ersten Orgelnacht 2016 aufgeführt wurde. Die zahlreichen Zuhörenden konnten auf der Videowand beobachten, mit wie vielen verschiedenen Registerwechseln das Stück erklang, wie das Fußspiel für die Basspfeifen die Handarbeit ergänzte und auf den Tasten koppelte. Gleich zum Einsatz kam auch der neu angeschaffte Zimbelstern, der glockenspielähnlich die Pfeifenklänge ergänzte und sich dazu an der obersten Spitze der Orgel drehte.
Danach und vor der ersten Pause zeigte der Leimener Kantor Müller sein Können mit zwei von ihm selbst komponierten Werken „Lydische Toccata“ und „Phantasia Pastorale“, beide erst dieses Jahr entstanden. Auch hier hörte man die verschiedenen Klangtöne und nachgeahmten Instrumente der Orgel heraus bei einer vielfältigen Registrierung, also Kombination von Pfeifen. Dazu dann das faszinierende Bild bei der live-Übertragung, wenn auf einen schnellen Fußpedaldruck die neue Setzeranlage wie von Geisterhand die Registerschieber in eine neue Position bringen, und eine neue Harmonie und Stimmlage der Orgel erklingt. Bei der Bach‘schen „Toccata in F“ (BWV 540) war für Müller voller „Fußeinsatz“ an den Pedalen gefragt: aus einem tiefen Begleitton wurde die Wiederaufnahme der Kernmelodie im Bass – mit viel Einsatz durch die Füße eben. Dass Orgel auch leise geht, zeigte vor der ersten Pause das Stück des barocken italienischen Komponisten Luccinetti, der eigentlich unbekannt und nicht einmal in seiner Existenz gesichert, aber ein sehr schönes Werk für Cembalo und Orgel verfasste. Schaefer am Cembalo in der Begleitung von Müller an der Orgel spielten sich wechselweise zu, ohne dass die vorherigen wuchtigen Klänge diesmal das Cembalo dominierten.
Ein Part aus der Feuerwerksmusik Händels folgte nach der bewirteten Pause, geleitet vom Festausschuss der Gemeinde bei kühlen Getränken. Diesmal Helmer an der großen und Schaefer an der kleinen Chororgel, die dieses Jahr aus dem aufgelösten Gemeindezentrum Frauenweiler übernommen wurde. Einen weiteren Schwenk baute Schaefer in den Abend ein mit „La Notte“ von Vivaldi, vorgetragen von Flötistin Ulrike Wettach-Weidemaier und Kantor Helmer in Orgel- und Klavierbegleitung. Die Flötenspielerin wechselte verschiedene Flöten, Geisterrufe und Nachtvogelstimmen erklangen, und das Werk Vivaldis mit Hör-Gruseleffekt kam beim Publikum mit langem Applaus besonders gut an. Folgend verschiedene Stücke von Michael Schütz für Flöte und Klavier brachten beide in ein diesmal moderneres Klangerlebnis. „Amazing Grace“, schwer romantisch von Tedd Hustad und Don Smith an Klavier und Chororgel mit halb gezogenem, „flatterndem Register“ für noch mehr Romantik und vibrierenden Tönen, vorgetragen wieder von Schaefer und Helmer, bildete den Abschluss vor der letzten Pause.
Als finalen Höhepunkt gab es eine Premiere in Wiesloch: Die Orgel wurde unter den Händen von Kantor Cho zur Filmmusikorgel. Schaefer erläuterte einführend, dass es zu Stummfilmzeiten in Kinos viele Orgeln gab, die die Musikbegleitung übernahmen anstelle eines ganzen Orchesters. Dass dies auf der Wieslocher Orgel auch geht, zeigte Cho zum Film „The Immigrant“ von Charlie Chaplin (1927). Cho hat während seines Studiums dieses Metier kennengelernt und begleitete den Film grandios und improvisierend passend zu den jeweiligen Szenen und Emotionen.
„Sie dürfen sich auf die dritte Orgelnacht freuen, die wir in näherer Zukunft bieten werden“, antwortete Schaefer auf einen lange anhaltenden Applaus der Zuhörenden im Stehen.