„Aus den evangelischen Kirchengemeinden der Region wird die neue Kirchengemeinde Hochhardt. Die Kirche steht in schwierigen Zeiten, und einiges davon wird heute Abend zur Sprache kommen“, eröffnete Dr. Ulrich Löffler als Moderator der Gemeindeversammlung am 23. Mai die Informationsveranstaltung.
Nach einem Einstieg erläuterte der Vorsitzende des Ältestenkreises Dr. Andreas Berthold die Hintergründe und die Folgen des Zusammenschlusses für die evangelischen Kirchengemeinden Baiertal-Dielheim, Schatthausen, St. Leon-Rot, Walldorf und Wiesloch mit den Pfarrgemeinden Paulus und Petrus. Rechtlich wird dies zum 1. Januar 2026 erfolgen. Derzeit wird noch von der Region oder einem Kooperationsraum gesprochen, der die Vorstufe zur neuen Fusionsform als neue Körperschaft des öffentlichen Rechts ist. Anlass für die Neuausrichtung ist die Planung „ekiba2032“ der Evangelischen Landeskirche Baden, wonach neben schrumpfenden Mitgliederzahlen und Kirchensteuern auch der Rückgang des Pfarrpersonals und die hohe Gebäudelast große Reformen erfordern. Berthold führte aus, dass mit der Zusammenlegung der Gemeinden im Süden des Dekanats „Südliche Kurpfalz“ die bisherigen Kirchengemeinden zwar rechtlich gesehen ihre Eigenständigkeit aufgeben, es aber faktisch um Arbeits- und Ressourcenteilung und auch Vernetzung geht: „Wir müssen nicht jeden Sonntag in allen sechs Gemeinden das Gleiche, sondern Vielfalt anbieten“. Der Mehrwert dabei sei, dass Doppelstrukturen z. B. bei der Konfirmandenarbeit aufgebrochen würden, und sich durch die neue Gemeinschaft neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergäben. „Einfach erklärt: Der Ältestenkreis kümmert sich um die Arbeit vor Ort, und die neue Kirchengemeinde um die Verwaltung und Haushalt für alle“, so Berthold.
Neue Rechtsform und Aufgaben
Berthold als Mitglied der Arbeitsgruppe aller beteiligten Gemeinden erläuterte, dass von Seiten der Landeskirche verschiedene Rechtsmodelle vorgeschlagen wurden. „Wir haben uns sehr schnell für eine Fusionslösung entschieden, wobei die Details dann noch viel Arbeit machten“, kam er auf die neue Situation zu sprechen. Knapp 2 Jahre habe die Planung nunmehr benötigt. Demnach verlieren die bisherigen Kirchengemeinden ihre rechtliche Eigenständigkeit, die Finanzmittel werden in einen neuen gemeinsamen Haushalt eingebracht, und die Personalangelegenheiten werden vom neuen Rechtsträger geregelt. Für die Gemeindeglieder wird sich jedoch im sonntäglichen Erleben wenig ändern – außer möglicherweise geänderten Gottesdienstzeiten und ein manchmal anderer Pfarrer oder Pfarrerin aus eben der Region im Wechsel. „Einfacher wird es aber bei kirchlichen Sachen, denn die Verwaltung wird innerhalb der neuen Kirchengemeinde aufgeteilt, so dass man immer einen direkten Ansprechpartner hat ohne lange suchen zu müssen“, zeigte Berthold die neu geschaffenen Vorteile auf.
Dass es hierbei anfänglich Startschwierigkeiten im Gemeindealltag gibt, zeigte sich in der anschließenden Diskussion. Wechselnde Gottesdienstzeiten ließen sich nicht ausschließen, so Berthold und auch die Gemeindepfarrerin Sabine König, denn zukünftig müssten die Pfarrer zeitweise in der neuen Kirchengemeinde in sogenannten „Regio-Gottesdiensten“ mehrere Gemeinden besuchen, was eine Zeitverschiebung erforderlich mache. Der lange diskutierte Kritikpunkt der Aufgabe der Eigenständigkeit entkräftete Berthold, wonach in Wiesloch bereits eine Trennung der Verantwortung des Ältestenkreises und der bisherigen Kirchengemeinde Wiesloch, bestehend aus Petrus- und Paulusgemeinde (und vormals sogar noch Christusgemeinde bis zur Gemeindefusion), besteht. „Die anderen Gmeinden Hochhardts haben bisher ihre rechtliche Eigenständigkeit in Union zusammen im Ältestenkreis – wir in Wiesloch haben es da einfacher aus gelebter Praxis“, ergänzte Berthold. Im Zusammenhang wurde die Anzahl der entsandten ehrenamtlichen Mitglieder in den neuen Kirchengemeinderat aus den Pfarrgemeinden hinterfragt. Berthold konnte jedoch auch hier die Bedenken entkräften: „Wir haben uns bei diesem ‘Regionalparlament‘ gegen einen Proporz nach Anzahl der Gemeindemitglieder entschieden, sondern für eine jeweils anteilige ehrenamtliche Besetzung mit je 2 Mitgliedern der 6 Ältestenkreise, so dass zu den dann 12 Ehrenamtlichen noch die hauptamtlichen Pfarrer und Diakone hinzukommen und wir mit 20 Personen als Ziel eine gute und gleichberechtigte Teilhabe für die Entscheidungen haben werden“.
Der Bericht des Ältestenkreises zum vergangenen Jahr mit den Inhalten der Sitzungen, Gebäudeentwicklung, Personalstruktur samt Beteiligung in der neuen Sozialstation Wiesloch wurde abschließend von Gemeindepfarrerin Sabine König in ihrer Funktion als stellvertretende Vorsitzende erbracht. Dazu informierte sie über den Zeitplan zu den Ältestenwahlen im Spätjahr 2025 mit einem Aufruf zur Wahlbeteiligung für dieses wichtige Führungsgremium
s der Gemeinde.
Bericht und Bilder von Alex Wolf