Foto:H.Pfeifer
v.l.Jürgen Alberti, Friedrich Becht, Carsten Wipfler, Ursula Zachmann
Der bisher von Verein für Naturschutz ausgerichtete Rauenberger Kraichgauabend wurde von der Paulusgemeinde weitergeführt und rund 80 Interessierte kamen hierzu ins evangelische Gemeindehaus.
Die Vorsitzende des Ältestenkreises, Ursula Zachmann, zeigte sich in ihrer Begrüßung erfreut, dass es gelungen sei mit dem Kraichgauabend eine Rauenberger Institution neu zu beleben. Der Mundartkünstler Friedrich E. Becht ließ mit Scherz, Satire und Ironie bei „Neis un alds vun heid un geschdern“ kein Auge trocken und hatte sofort nicht nur die Schmunzler auf seiner Seite.
Carsten Wipfler stellte mit einem Grauburgunder, einem Rose und einem Gewürztraminer drei junge Weine Jahrgang 2018 der Wieslocher Genossenschaft „Winzer von Baden“ vor. Dabei überzeugten bei der Verkostung die edlen Tropfen der letzten Lese.
Im Vortrag „Neue Tiere und Pflanzen im Kraichgau – Nichts ist so beständig wie der Wandel“ referierte Jürgen Alberti aus Bad Schönborn mit einem Bildervortrag über die in unsere Region eingewanderten Tiere und Pflanzen. „Es ist nicht zu bestreiten, dass der Riesenbärenklau oder der Buchsbaumzünsler uns Menschen als Einwanderer großen Ärger machen können. Sind auf der anderen Seite aber Schwanengänse am Heidelberger Neckarufer oder die Götterbäume an den Straßenrändern nicht eine wirkliche Bereicherung?“, fragte Alberti zu Beginn. Inzwischen seien über 10.000 nicht einheimische Arten in Europa zu finden. Von einheimischen Arten könne man sprechen, wenn sie vor 1492 bereits zu finden waren. Mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus begannen die Globalisierung und damit die weltweite Ausbreitung sowie Vermischung von Tieren und Pflanzen. Die Türkentaube verbreitete sich ab dem ersten Weltkrieg entlang der Bahn-Getreide-Linien aus der Türkei über den Balkan bis nach Zentraleuropa. Der Heidelberger Halsbandsittiche, die südlich der Sarah in Afrika beheimatet sind, wurden 1973/74 im Schlosspark Neckarhausen mit einem einzigen Pärchen begonnen. 1995 hatten sie den Mannheimer Luisenpark erreicht, im Jahr 2000 wurden sie erstmals in der Heidelberger Mönchhofstraße gesichtet. 2014 lebten in Heidelberg zwischen Hauptbahnhof, Bahnstadt und Neuenheimer Feld bereits weit über 1.000 Sittiche, inzwischen sind sie über Wiesloch bis in den Kurpark von Bad Schönborn gelangt. Nicht anders würden sich auch eine Vielzahl von Pflanzen ausbreiten und so begutachtete Jürgen Alberti das Riesen-Bärenklau, das drüsige Spingkraut, den japanischen Stauden Knöterich, das Frühlings-Greiskraut, die orientalische Zackenschote und viele weitere Pflanzen die sich frei ausbereiten, ebenso wie die Feuerlibelle, die südliche Eichenschrecke, der Harlekin-Marienkäfer oder die Bernstein-Waldschabe.
Ein informativer und sehr vergnüglicher Abend!
(Bericht: Benjamin Starke)