Sternenkinder

Einweihung der Gedenkstätte - Dezember 2019

„Fern bei den Sternen. Nah in unseren Herzen. Geborgen in seiner Hand.“

Ein Ort der Stille – und doch voller Leben

Die katholische Gemeindereferentin Bettina Hartnagel hatte es zu Beginn des ökumenischen Gottesdienstes in der Aussegnungshalle des Rauenberger Friedhofs angesprochen: Manche werden nur schweren Herzens gekommen sein. Für andere mag der Schmerz vielleicht noch – oder immer noch – zu groß gewesen sein. Die evangelische Pfarre-rin Sandra Alisch zeigte auch Verständnis, falls jemand den Gottesdienst hätte verlassen müssen. „Wir nehmen das keinem krumm.“ Denn es ging an diesem Samstagnachmittag vor dem zweiten Advent um ein be-sonders schmerzliches Thema: um „Sternenkinder“ – jene Kinder also, die „eine Abkürzung zu Gott genommen haben“, wie es die Pfarrerin ausdrückte. Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Für sie gibt es jetzt einen Gedenkstein auf dem Rauenberger Friedhof, der an diesem Nachmittag im Anschluss an den Gottesdienst geweiht wurde. Dieser Gedenkstein, ein gemein-schaftliches Projekt der katholischen Seelsorgeeinheit Letzenberg, der evangelischen Paulusge-meinde und der Stadt Rauenberg, soll ein „sichtbares Zeichen“ sein, ein Ort der Trauer, die oft nur „im Verborgenen“ existiert, wie es Bettina Hartnagel zu Beginn des Gottesdienstes formuliert hatte. Der Gottesdienst war ein Angebot, „diese Trauer sichtbar zu zeigen und gemeinsam mit anderen auszuhalten“. Wer gekommen war, Eltern, Großeltern, Geschwisterkin-der, der erlebte eine einfühlsam gestaltete und bewegende Stunde der Besinnung und der Trauer. Diese Trauer könne Gott zwar nicht wegnehmen, aber er könne sie doch verwandeln, versuchte die Gemeindereferentin Trost zu spenden. Diesen Trost vermittelte auch Pfarrerin Sandra Alisch, indem sie ein von ihr selbst gemaltes Bild erläuterte, das die Inschrift des Gedenksteins und das Motto des Gottesdienstes künstlerisch aufgriff: „Fern bei den Sternen. Nah in unseren Herzen. Geborgen in seiner Hand.“ Dieses Leben sei nicht spurlos vorübergegangen, ganz gleich wie kurz es gewesen sei, meinte die Pfarrerin. Die Sternenkinder hätten die Welt quasi übersprungen, den Weg durchs Leben abgekürzt und seien nun getragen, geborgen und wohlbehütet in Gottes Hand – genauso wie wir alle. „Darin liegt die Nabelschnur, die niemand kappen kann.“
Zuvor hatte die Pfarrerin die Namen von Sternenkindern verlesen, die Angehörige am Eingang auf einen kleinen Stern hatten schreiben können. Im Anschluss konnten die Gottesdienstbesucher eine Kerze anzünden und sich symbolisch von einer Last befreien, indem sie einen klei-nen Stein ablegten. Dann führte der Weg gemeinsam hinaus zu dem neuen Gedenkstein, der eigentlich aus drei Steinen besteht: einem großen mit Inschrift in der Mitte und zwei kleineren an der Seite, an denen Eltern später Bronzesterne zur Er-innerung an ihre Sternenkinder anbringen können. Dieser Ort sei ein „guter Ort“, meinte Sandra Alisch: ein „Ort der Stille“, aber auch ein „Ort voller Leben“, wo Vogelstimmen erklingen und wo im Sommer Gänseblümchen blühen. Ihr Dank, wie auch der von Rauenbergs Bürgermeister Peter Seithel galt allen, die mitgeholfen hatten, dass es „eine so ansprechende Gedenkstätte wurde“, so der Bürgermeister; jenen, die den Gottesdienst vorbereiten halfen (darunter auch betroffene Eltern); und schließlich jenen, die den Gottesdienst mitgestalteten: Ursula Zachmann von der evangelischen Paulusgemeinde und Roswitha Schöttler von der katholischen Seelsorgeeinheit für die Lesungen sowie Christoph Engelsberger für die einfühlsame musikalische Begleitung der Lieder am Klavier. Nicht zuletzt galt der Dank des Bürgermeisters den vielen Spendern für die Gedenkstätte, darunter auch die katholische Frauengemeinschaft Rau-enbergs, die 1000 Euro für diesen Zweck gestiftet hatte: „für uns eine Herzensangelegenheit“, wie die Vorsitzende Waltraud Eisenlohr-Greulich meinte. Die Frauenge-meinschaft war es auch, die nach der Zere-monie Punsch und Hefezopf an die Besucher ausgab, damit diese noch bei einem kleinen Imbiss und Gesprächen verweilen konnten.
Mit freundlicher Genehmigung der RNZ