„Es geht besonders um das Gestalten“ - Frühjahrstagung der Landessynode in Bad Herrenalb gestartet
- 17.04.2024 -
Karlsruhe/Bad Herrenalb, (17.04.2024). „Es geht nicht um das Abarbeiten, eher um das Aufarbeiten, aber es geht besonders um das Gestalten“, gab Synodalpräsident Axel Wermke am Dienstag, 16. April, zum Auftakt der diesjährigen Frühjahrssynode die Zielrichtung vor. Bis kommenden Samstag, 20. April, beraten 73 Synodale im Haus der Kirche in Bad Herrenalb gemeinsam über die Zukunft der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Quelle: ekiba / Ulli Naefken - eingebettet von www.ekiba.de
Dabei nahm in der ersten Plenarsitzung am Nachmittag der Blick auf das aktuelle weltpolitische Geschehen einen breiten Raum ein, auch weil mit Rami Suliman zum ersten Mal der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden ein Grußwort sprach. „Wir als jüdische Gemeinde erleben eine schwierige Zeit, eine richtig schwierige Zeit“, sagte Suliman. „Nach dem 7. Oktober, nach dem barbarischen, mörderischen Angriff der Hamas, gibt es für uns Juden in Baden, in Deutschland, in der ganzen Welt eine neue Epoche. Es ist ein anderes Leben.“ Das bisherige Vertrauen in die Armee, in die Technologie, in die Wirtschaft sei verschwunden. Der Holocaust sei immer im Kopf, ebenso die Verfolgung der Juden in den vergangenen Tausenden Jahren. „Wir leben damit. Aber das, was am 7. Oktober passiert ist, zog uns den Teppich unter den Füßen weg. Natürlich ist Israel nicht sicher. Wir konnten hier in Deutschland, überall in der Welt, sicher leben, weil wir wussten: Da ist unser Platz. Da ist unser Fluchtraum. Heute haben wir das nicht mehr.“ Und weiter machte der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Baden deutlich: „Alles, was im Nahen Osten passiert, beeinflusst unser Leben hier. Man kann das nicht trennen. Unser jüdisches Leben in Baden hängt davon ab: von der offenen Beziehung zur evangelischen Kirche, zur katholischen Kirche und den verschiedenen islamischen Verbänden.“ Deswegen sei Rami Suliman umso dankbarer für die enge Verbundenheit mit der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Synodalpräsident Axel Wermke betonte: „In unserem Friedensgebet ist nötiger denn je nach dem, was jetzt wieder geschehen ist, den Schulterschluss deutlich zu machen und zu zeigen, dass wir uns für Frieden in der Welt, in allen Regionen einsetzen.“
Ein weiterer Schwerpunkt der ersten Plenarsitzung, nachdem Oberkirchenrätin Cornelia Weber den Eröffnungsgottesdienst gehalten hatte, war der Blick auf die Ausbildung des theologischen Nachwuchses. In einer gemeinsamen Präsentation zeigten Kirchenrätin Sibylle Rolf, Seminarleiterin Monika Lehmann-Etzelmüller und Werner Volkert auf, wie sich theologische Ausbildung und der Zugang zu ihr wandelt. „Die Ausbildung zu den theologischen Berufen hat sich enorm verändert und ist weiter dabei, sich zu verändern“, sagte Rolf. Um theologischen Nachwuchs zu gewinnen, sei es notwendig, diverse Zugänge für Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen zu ermöglichen. Werbung für die theologischen Berufe geschehe „wesentlich durch Beziehungsarbeit vor Ort. Werbung muss eine Anstrengung von uns allen sein“.
Bis Samstag, 20. April, werden sich die Synodalen der Evangelischen Landeskirche in Baden unter anderem mit den Konsequenzen aus der ForuM-Studie zur sexualisierten Gewalt, mit den Ergebnissen der Studie Jugend zählt 2 und mit der Priorisierung kirchlicher Aufgaben angesichts zurückgehender finanzieller Mittel beschäftigen.