Kirche reagiert auf zurückgehende Mitgliederzahlen mit Zukunftsprozess „ekiba2032“
Karlsruhe, (07.03.2023). Die Evangelische Landeskirche in Baden hat derzeit 1.035.524 Mitglieder (Stichtag 31.12.2022). Diese Zahl ergibt sich aus der Mitgliederstatistik, welche die Evangelische Kirche in Deutschland am heutigen Dienstag (07.03.) für das Jahr 2022 veröffentlicht. In der badischen Landeskirche wurden im vergangenen Jahr 9.513 Menschen (2021: 7.003) getauft. 1.165 Eintritten (2021: 1.030) standen 22.149 Austritte (2021: 16.890) gegenüber. Zusammen mit den Zu- und Wegzügen sowie den Todesfällen hat die Landeskirche damit im vergangenen Jahr 27.218 Kirchenmitglieder verloren.
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Sowohl die Anzahl der Taufen als auch der kirchlichen Hochzeiten (2021: 1.210; 2022: 2.132) erreichte in etwa wieder das Niveau vor der Pandemie (2019: 8.847 Taufen, 2.283 Trauungen), konfirmiert wurden 7.419 Jugendliche (2022: 8.723).
Mit einem weit gefassten Zukunftsprozess namens „ekiba2032“ reagiert die Landeskirche auf die zurückgehenden Mitgliederzahlen und die tiefgreifenden Veränderungen in der Gesellschaft. Im Rahmen des Prozesses fand am vergangenen Samstag (04.03.) ein Zukunftstag für kirchlich Engagierte statt, der sich mit den aktuellen Fragen und Herausforderungen auseinandersetzte. Rund 380 haupt- und ehrenamtlich Tätige von Wertheim bis zum Bodensee ließen sich an diesem Tag inspirieren.
Eingeladen zum Zukunftstag war auch die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT), Kristin Jahn, die es als Aufgabe der Kirche bezeichnete, Menschen an den „Bruchkanten des Lebens“ zu begleiten. Christ sein bedeute, Menschen im Alltag beizustehen und nicht alleine zu lassen, sagte Jahn im Gespräch mit Landesbischöfin Heike Springhart. Daher solle die Kirche mehr als bisher auf die Stärke ihrer Kasualien vertrauen, wie etwa Taufe, Trauung oder Beerdigung.
Landesbischöfin Heike Springhart bezeichnete die Theologie als „Lebenselixier“ der Kirche, weil sie helfe, sich auf die inneren Quellen zu besinnen und zugleich dazu ermutige, frei zu denken: „Nichts muss bleiben, wie es ist, und das eröffnet mir einen neuen Horizont.“ Als Stärke sieht Springhart, „dass unsere Kirche und unsere Gemeinde unterschiedliche Grade von Nähe und Distanz zulässt“. Das heiße aber auch umgekehrt, dass Kirchengemeinden nicht nur die Menschen im Blick haben sollten, die den Sonntagsgottesdienst besuchten, so die Landesbischöfin.
Wohin sich die Kirche der Zukunft entwickeln kann, das zeigten zahlreiche zukunftsweisende Projekte, die sich auf einem Markt der Möglichkeiten den Engagierten vorstellten. So beispielsweise die ökumenische Citykirchenarbeit in Pforzheim, die mit Narrengottesdiensten, Theaterstücken, Jazzvesper und zahlreichen verschiedenen Angeboten in der Schlosskirche mitten in Pforzheim die unterschiedlichsten Besucher anlockt. Oder der Gemeinschaftsgarten „Paradieschen“, der auf dem Gelände um die Markuskirche in Singen mitten in der Stadt nicht nur eine grüne Oase, sondern auch eine wachsende Gemeinschaft vieler begeisterter Hobby-Gärtner schafft. In das Quartier hinein wirkt auch das ökumenische Projekt „licht. Community & Café“ in der Heidelberger Südstadt, das mit zeitgemäßen Workshops, Konzerten und als Coworking-Space Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien mit Kindern einen Begegnungsraum bietet und dafür im vergangenen November bereits den Gründerpreis des CVJM Deutschland überreicht bekam.
In den Workshops am Nachmittag konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Zukunftstags sich unter anderem mit der Zusammenarbeit von Kirchengemeinden in Regionen und sogenannten „Kooperationsräumen“ beschäftigen, sowie mit vielfältigen Formen von Gottesdiensten und Kirchenmusik, mit Gemeinwohlorientierung der Kirche als Chance für Transformation, aber auch mit dem schwierigen Thema des Abschiednehmens von Liebgewonnenem.
Die dieser Meldung zugrundeliegenden Zahlen sind derzeit noch vorläufig. Durch Nachträge und Korrekturen können sich möglicherweise noch leichte Veränderungen ergeben zu den endgültigen amtlichen Daten, die voraussichtlich Anfang 2024 feststehen.