Sie waren dringender denn je

- 03.02.2023 - 

Vesperkirchen in Baden waren in diesem Jahr wieder wichtige Anlaufstelle

Karlsruhe/Mannheim/Pforzheim/Singen, (03.02.2023). Nach den pandemiebedingten Einschränkungen in den vergangenen zwei Jahren nahmen die badischen Vesperkirchen in diesem Jahr wieder ihren vollen Betrieb auf. In Karlsruhe, Mannheim, Pforzheim und Singen wurden bzw. werden noch täglich etwa 1.700 Mahlzeiten ausgegeben – über den gesamten Zeitraum sind das insgesamt etwa 45.000 warme Mahlzeiten. Das Angebot wurde und wird in allen vier Städten stark nachgefragt.

Gast in der Vesperkirche Mannheim

Quelle: ekma / Alexander Kästel - eingebettet von www.ekiba.de

Es geht jedoch um mehr als „nur“ eine warme Mahlzeit am Tag. „Bei uns ist die Begegnung wichtig“, erklärt beispielsweise die Singener Pfarrerin Andrea Fink-Fauser, in deren Lutherkirche das besondere Angebot von 15. bis 29. Januar zum sechsten Mal dieses Jahr stattgefunden hat. Die „jüngste“ badische Vesperkirche ist ökumenisch organisiert, erhält aber auch viel Unterstützung durch Firmen vor Ort, die beispielsweise ihre Auszubildenden mithelfen lassen. „Wir möchten Menschen auf Augenhöhe zusammenbringen und dazu beitragen, dass die Gesellschaft zusammenwächst“, erläutert die Pfarrerin den Grundgedanken. So ist diese Vesperkirche, die Essen auf freiwilliger Spendenbasis anbietet, bewusst offen für alle Gäste. „Nicht nur Bedürftige sind eingeladen, auch viele ältere Menschen, Alleinstehende und einsame Menschen, auch Leute, die einfach nicht sehr viel Geld haben, aber auch Mitarbeitende der Stadtverwaltung, der Oberbürgermeister und Besucherinnen und Besucher der Sonntagsgottesdienste.“ 

Ihr zehnjähriges Jubiläum feierte die Vesperkirche in Karlsruhe dieses Jahr. Zur Feier dieses Jubiläums wird am Sonntag, 5. Februar, 15.30 Uhr in der Johanniskirche Landesbischöfin Heike Springhart den Abschlussgottesdienst mitgestalten. Neben den rund 11.000 warmen Mahlzeiten und über 7.700 Vesperpaketen, die seit dem 8. Januar um die Johanniskirche herum bereits täglich ausgegeben wurden, stießen auch die Angebote in der Kirche auf viel Resonanz: eine große Kleiderkammer, kostenloses Haareschneiden, die Möglichkeit, einen Tier- oder Menschenarzt aufzusuchen, aber auch Sozialberatung und mehr. Die Relevanz der Vesperkirche für die Stadtgesellschaft habe in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen, stellt Pfarrerin Lara Pflaumbaum fest. Und welche Themen beschäftigten die Besucherinnen und Besucher in diesem Jahr besonders? „Die Angst ist dieses Jahr größer: Wie komme ich durch, schaffe ich das?“, berichtet sie. Das Thema Preissteigerung und Energiekosten habe sie in ihren Gesprächen mit den Gästen häufig gehört. 

Auch in Pforzheim – wo die ökumenische Vesperkirche noch bis 12. Februar weiterläuft – und in Mannheim sind neben den Mahlzeiten der Gemeinschaftsaspekt, die Seelsorge, aber auch medizinische und soziale Beratung wichtig, weshalb – wie in Karlsruhe auch – das Diakonische Werk an der Vesperkirche aktiv beteiligt ist. Alle Angebote der Vesperkirchen sind allerdings nur möglich, weil überall große Teams aus Ehrenamtlichen und zahlreiche Spenderinnen und Spender bereit sind, diese Arbeit zu unterstützen. In allen badischen Vesperkirchen zusammengenommen engagieren sich rund 1.800 Helferinnen und Helfer ehrenamtlich. 

Einen Anstieg von 20 Prozent an Besucherinnen und Besucher verzeichnete in diesem Jahr die Mannheimer Vesperkirche (8. Januar bis 5. Februar), die an Spitzentagen bis zu 800 Mahlzeiten an Bedürftige verteilt hat. „Vor einigen Jahren kamen auch manche Besucherinnen und Besucher nur um der Gemeinschaft willen. Das war in diesem Jahr nicht mehr“, so Pfarrerin Ilka Sobottke. „Es war sehr voll, im Schnitt hatten wir 620 Gäste am Tag. Viele Besucherinnen und Besucher waren in einem schlechten Zustand. In der Vesperkirche spiegelt sich das wider, was wir vorher bereits vermutet hatten: Die Leute sind wütender, die Wohnungsnot ist unter anderem ein großes Thema.“ Mit Sozialberatung des Diakonischen Werks, ehrenamtlichen Ärzten und Sanitätern der Johanniter, einem Anwalt für Rechtsberatung und seelsorglichen Gesprächen gaben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Mannheim ihr Bestes, um den Menschen in den Wochen mitten im Winter etwas Erleichterung zu verschaffen. 

In allen vier Vesperkirchen erlebten die Engagierten dafür viel Dankbarkeit der Besucherinnen und Besucher: Sie waren froh, dass sie wieder da waren.

Der Abschlussgottesdienst in Mannheim wird am Sonntag, 5. Februar, 14.15 Uhr in der CityKirche Konkordien von Dekan Ralph Hartmann gehalten. Den Abschlussgottesdienst in Pforzheim wird Dekanin Christiane Quincke am 12. Februar, 10 Uhr, in der Stadtkirche Pforzheim halten.

Weitere Infos zu den Vesperkirchen
 
Karlsruhe: vesperkirche-karlsruhe.de  

  

Alexandra Weber

Stellvertretende Pressesprecherin