Ulli Thiel Friedenspreis für Schulen verliehen
- 14.07.2022 -
Der Angriff auf die Ukraine und der Blick in die anderen Kriegsherde dieser Welt macht deutlich: für den Frieden zu arbeiten ist kein Projekt, sondern eine Daueraufgabe. Dafür braucht es junge Menschen wie Euch, die ihn beherzt und kreativ und mutig anpacken.
28 Bewerbungen sind für den Ulli-Thiel-Friedenspreis eingegangen.
Karlsruhe, (14.07.2022). Der „Ulli-Thiel-Friedenspreis“ für Schulen in Baden-Württemberg ist am Donnerstag (14.7.) im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe verliehen worden. Ausgezeichnet wurden Arbeiten aus Friedrichshafen, Ulm, Offenburg, Bretten, und Pforzheim. Viele der eingereichten Wettbewerbsbeiträge in diesem Jahr haben sich mit dem Ukraine-Krieg beschäftigt.
„Frieden stellt sich nicht einfach so ein, sondern braucht junge Menschen, die ihn beherzt anpacken“, so Landesbischöfin Heike Springhart, welche die Laudatio für die Preisträgerinnen und Preisträger hielt. „‘Pax an‘ wird so zum mitreißenden Appell, Frieden zu schaffen. Ohne Waffen, aber mit Mut, Kreativität und einer gehörigen Portion Hoffnungssturheit, die gerade in Sachen des Friedens nicht groß genug sein kann. Mit dem Ulli-Thiel-Friedenspreis werden kreative Friedens-Arbeiten von Schülerinnen und Schülern ausgezeichnet. Das ist gerade in diesem Jahr ein besonders schönes Zeichen.“
Der erste Preis, der mit 500 Euro ausgezeichnet ist, ging an
Schülersprecher*innen und Mitschüler der Eingangsklasse und der Jahrgangsstufe 1 des Bildungszentrums Bodensee – Schule St. Martin. Angestoßen durch den Krieg in der Ukraine haben die Schülerinnen und Schüler eine Friedenskundgebung für die Stadt Friedrichshafen mit insgesamt 2.500 Teilnehmern organisiert. Die selbstgestalteten und mitgelieferten Unterrichtsimpulse ließen in den Schulen der Stadt die Kundgebung nachwirken.
Der erste Preis, der mit 500 Euro ausgezeichnet ist, ging an
Schülersprecher*innen und Mitschüler der Eingangsklasse und der Jahrgangsstufe 1 des Bildungszentrums Bodensee – Schule St. Martin. Angestoßen durch den Krieg in der Ukraine haben die Schülerinnen und Schüler eine Friedenskundgebung für die Stadt Friedrichshafen mit insgesamt 2.500 Teilnehmern organisiert. Die selbstgestalteten und mitgelieferten Unterrichtsimpulse ließen in den Schulen der Stadt die Kundgebung nachwirken.
Die „Lerngruppe 3b“ der Spitalhof Gemeinschafsschule Ulm erhielt den zweiten Preis (400 Euro) für einen digitalen Gedichtband rund um das Thema Frieden und Freundschaft sowie für eine damit verbundene Aktion zugunsten der Ukraine: Die von den Kindern selbst geschriebenen und gestalteten Gedichte wurden in einer öffentlichen Aktion verkauft. Der Erlös wurde zugunsten der Ukraine gespendet.
Der dritte Preis wurde gleich zweimal vergeben: Zum einen an die Hubert-Burda-Grundschule in Offenburg-Fessenbach für ihr Friedensmärchen „Die eisernen Ringe oder Liebe ist stärker als Krieg.“ Zum anderen an ein Schüler-Lehrer-Rap-Projekt namens „Frieden“ des Melanchthon-Gymnasiums in Bretten.
Ein Sonderpreis ging an die Berufsfachschule Johanna-Wittum in Pforzheim für ihren „Friedenskoffer“.
Der Wettbewerb wurde im Schuljahr 2021/22 zum dritten Mal ausgeschrieben. Er richtet sich an Einzelpersonen, Klassen, Arbeitsgruppen und Schulen aller Alters- und Klassenstufen. Getragen wird der Friedenspreis von der Evangelischen Landeskirche in Baden, der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (Landesverband Baden-Württemberg), pax christi in Baden-Württemberg und pax an! e.V.- Werkstatt für Pazifismus, Friedenspädagogik und Völkerverständigung.
Der Namensgeber Ulli Thiel (1943 – 2014) war Sonderschullehrer in Karlsruhe und bis zu seinem Tod 2014 Mitglied der GEW Baden-Württemberg. Er engagierte sich auch in der landeskirchlichen Friedensarbeit, war in der Friedensbewegung aktiv und schuf das bekannte Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“. Thiel war auch
Ideengeber der Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm 1983, der größten Aktion der Friedensbewegung in Deutschland mit 400.000 Menschen.
Ideengeber der Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm 1983, der größten Aktion der Friedensbewegung in Deutschland mit 400.000 Menschen.
Laudatio von Landesbischöfin Heike Springhart im Wortlaut:
"Liebe Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte Frau Thiel, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens,
Seit Wochen steht uns noch deutlicher als sonst vor Augen: Frieden ist nicht selbstverständlich. Frieden ist brüchig und fragil. Frieden stellt sich nicht einfach so ein. Und schon gar nicht reicht „ein bisschen Frieden“ – auch wenn das schon ganz schön viel wäre.
Der Angriff auf die Ukraine und der Blick in die anderen Kriegsherde dieser Welt macht deutlich: für den Frieden zu arbeiten ist kein Projekt, sondern eine Daueraufgabe. Dafür braucht es junge Menschen wie Euch, die ihn beherzt und kreativ und mutig anpacken.
An Ideen mangelt es Euch nicht. Die einen haben eine Friedensdemo organisiert, andere haben Friedens-T-Shirts gestaltet. Und viele von Euch haben Bilder gestaltet, Märchen und andere Texte geschrieben und sogar einen Rap produziert.
28 Bewerbungen sind für den Ulli-Thiel-Friedenspreis eingegangen.
Das ist großartig – und es zeigt, wie brennend auch für Euch Schülerinnen und Schüler die Sehnsucht nach dem Frieden ist. Und es zeigt, wie vielfältig und kreativ junge Menschen ihr Engagement für den Frieden umsetzen.
Der Krieg ist näher gerückt – aus dem Osten Europas zu uns. In den Schulklassen und Jugendgruppen begegnen wir Kindern und Jugendlichen, die aus der Ukraine zu uns geflüchtet sind, die sich aus dem Libanon und dem Jemen, aus Afghanistan und Syrien zu uns durchgeschlagen haben.
In manchen Projekten habt Ihr Euch gemeinsam mit ukrainischen Geflüchteten und Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind damit beschäftigt, wie Frieden geschaffen werden kann – ohne Waffen.
Krieg trennt und zerstört – der Friede und Eure Projekte bringen Menschen und Ideen zusammen und verbinden alle die, die die Hoffnung auf Frieden auch in Zeiten des Krieges nicht aufgeben.
Die Projekte, die bei der Jury eingegangen sind, machen auch deutlich, wie unterschiedlich Ihr und wir alle mit dem Frieden und der bedrückenden Situation des Krieges umgehen. Nachdenklich, wütend, ungeduldig – aber alles in allem beharrlich mit einer nicht totzukriegenden Hoffnung auf Frieden.
Der Friede beginnt in den Herzen und Köpfen von Menschen wie Euch. Er beginnt, wo wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass das Morden und Bombardieren und der Fanatismus ein Ende haben werden – dass Diplomatie und Gebete nicht vergebens sind – und da, wo Menschen sich nicht auseinandertreiben lassen. Nicht bei uns und nicht anderswo.
Ich freue mich darüber, dass wir gerade in diesen Zeiten den Ulli-Thiel-Friedenspreis vergeben können. Das ist ein schönes Zeichen der Hoffnung. Vor allem ist es eine Auszeichnung für Eure Kreativität und Eure Projekte.
In allen 28 Projekten steckt die sture Hoffnung darauf, dass der Frieden am Ende nicht totzukriegen ist. Und die Kraft für den langen Atem, den es dafür braucht.
Frieden beginnt bei uns – und wir brauchen Anstifterinnen und Anstifter für den Frieden. Das macht glücklich. Das glaubt ihr nicht? Lest nach in der Bergpredigt. Dort sagt Jesus: Selig sind, die Frieden stiften – denn sie werden Kinder Gottes heißen.
Herzlichen Glückwunsch Euch allen zu Euren zündenden und friedenstiftenden Ideen."


