Weltweites Treffen von Christinnen und Christen im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft
- 11.07.2022 -
Karlsruhe, (11.07.2022). Angesichts der bevorstehenden Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe haben Landesbischöfin Heike Springhart (Karlsruhe) und Kirchenpräsident Christian Albecker (Strasbourg) an die Geschichte der deutsch-französischen Versöhnung erinnert. „Das gute Miteinander der Konfessionen und Religionen, der Kulturen und Nationen war am Ende wohl einer der entscheidenden Gründe, warum sich die Mehrheit der Kirchen für das Grenzland am Rhein als Austragungsort der Vollversammlung entschieden hat“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.
Päsentierten das Programm der Vollversammlung des ÖRK (von links): Dr. Marc Witzenbacher (Leiter des Koordinierungsbüro der ÖRK Vollversammlung 2022), Weihbischof Dr. Peter Birkhofer (Erzbistum Freiburg), Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart, Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup.
Quelle: ZfK / Daniel Meier - eingebettet von www.ekiba.de
Bezugnehmend auf das Motto der Vollversammlung („Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“‘), heißt es in der Erklärung der leitenden Geistlichen der badischen Landeskirche und der Union der Evangelischen Kirchen in Elsaß-Lothringen: „Diese Liebe hat uns hier in dieser Region nach 1945 auf dem Weg zu Versöhnung und einem gerechten Frieden geleitet. Sie ruft auch heute die Bösen zur Umkehr. Sie macht auch heute den Leidenden Mut. Sie führt auch heute die Menschen in die Freiheit. Auch in Situationen, in denen sich niemand vorstellen kann, wie es je zu einer Versöhnung kommen wird, bewegt sie Menschen, Gottes Frieden zu trauen und mutig Schritte im Geist der Versöhnung zu gehen.“
Vom 31.8. bis zum 8.9. 2022 findet in Karlsruhe die 11. Vollversammlung des ÖRK statt. Das höchste Entscheidungsgremium des ÖRK tritt in der Regel alle acht Jahre zusammen. Erstmals nach dem schwedischen Uppsala (1968) tagt die Vollversammlung in diesem Jahr wieder in Europa. Mehr als 4000 Teilnehmende aus 352 Kirchen und 120 Staaten der Erde werden zur weltweit umfassendsten Zusammenkunft von Christinnen und Christen erwartet.
Die Erklärung im Wortlaut:
Ende August versammeln sich Delegierte aus 349 Kirchen aus allen Teilen der Welt in Karlsruhe. Für uns im Elsass und in Baden-Württemberg ist das eine große Freude, aber auch eine Herausforderung. Wir wollen gute Gastgeber sein. Wir wollen zeigen, wie wir schon heute über Grenzen hinweg zusammenarbeiten: über Grenzen zwischen Staaten, zwischen Konfessionen und Religionen.
Das war nicht immer so, gerade zwischen Frankreich und Deutschland. Doch die vermeintlichen „Erzfeinde“ haben sich versöhnt – wer hätte das 1918 oder 1945 gedacht?! Heute arbeiten oder leben französische Familien ganz selbstverständlich auch rechts des Rheins und deutsche auf der französischen Seite. Es gibt einen regen Austausch zwischen Städten und Schulen. Wir feiern gemeinsam Gottesdienst. Das Misstrauen, ja die Angst vor einem möglichen „Überfall“ ist einem Geist des Respekts und der Partnerschaft gewichen!
Diese Geschichte der Versöhnung hat unsere Region entscheidend prägt. Sie hat die Vertreterinnen und Vertreter des Weltrates der Kirchen sehr interessiert, die nach Karlsruhe, Freiburg und Straßburg kamen, um zu schauen: Können und wollen wir die Einladung aus Baden und der EKD annehmen? Das gute Miteinander der Konfessionen und Religionen, der Kulturen und Nationen war am Ende wohl einer der entscheidenden Gründe, warum sich die Mehrheit der Kirchen dann für unser Grenzland am Rhein als Austragungsort der 11. Vollversammlung entschieden hat.
Die Erwartungen an diese Vollversammlung waren von Anfang an hoch und sind durch den russischen Überfall auf die Ukraine und seine weltweiten Folgen noch gewachsen. Viele hoffen, dass die Kirchen der Welt in Karlsruhe ein deutliches Zeichen der Hoffnung setzen in dieser von Krieg und Hunger, von Ungerechtigkeit und der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen geplagten Welt. Andere sind skeptisch, weil sie sehen, dass viele in der russisch-orthodoxen Kirche sich heute von ihrer nationalen Politik so gefangen nehmen lassen wie damals im 1. Weltkrieg viele in den deutschen Kirchen, als von den Kanzeln Feindschaft und Krieg gepredigt wurde.
Das Motto der Vollversammlung macht deutlich, dass es nicht die Kirchen und ihre „Führer“ sind, die den Weg in eine gerechte Zukunft bahnen. Es ist die Liebe Christi, die die Welt bewegt, versöhnt und eint! Ihr trauen wir als christliche Kirchen alles zu. Sie hat uns hier in dieser Region nach 1945 auf dem Weg zu Versöhnung und einem gerechten Frieden geleitet. Sie ruft auch heute die Bösen zur Umkehr. Sie macht auch heute den Leidenden Mut. Sie führt auch heute die Menschen in die Freiheit. Auch in Situationen, in denen sich niemand vorstellen kann, wie es je zu einer Versöhnung kommen wird, bewegt sie Menschen, Gottes Frieden zu trauen und mutig Schritte im Geist der Versöhnung zu gehen.
Die elsässische protestantische Kirche und die badische evangelische Kirche freuen sich auf die Gäste aus aller Welt mit ihren vielfältigen Traditionen. Wir hoffen und vertrauen darauf, dass wir gemeinsam Worte und Zeichen finden werden, die der Welt deutlich machen: Christi Liebe ist stärker als aller Machthunger und alle Gewalt; sie bewegt, versöhnt und eint die Welt!“