Kirche bietet Kurse für ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger an
Remchingen/Mannheim, (22.03.2022). Wegen der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Seelsorge hoch. Die Kirche bietet Kurse für ehrenamtliche Seelsorger an. Dabei geht es nicht nur um Pädagogik und Theologie. Die Teilnehmer beschäftigen sich auch intensiv mit ihrer eigenen Biografie.
Quelle: Zentrum für Seelsorge / EKIBA - eingebettet von www.ekiba.de
Als ehrenamtliche Seelsorgerin ist Edith Huber im Siloah St. Trudpert Klinikum in Pforzheim tätig. Die Rentnerin spricht dann mit Patienten über ihren Alltag, ihre Sorgen, aber auch über den Glauben. Das Ehrenamt gebe ihr viel Erfüllung, sagt die Remchingerin (Enzkreis). „Es gibt aber auch immer wieder Gespräche, bei denen ich danach überlege, wie es besser hätte laufen können“, erzählt sie am Telefon. Sie ist sozusagen noch „Seelsorge-Anfängerin“. Im vergangenen Sommer schloss sie den Kurs „Seelsorge als Begleitung - Qualifizierungskurs für Ehrenamtliche“ der Evangelischen Landeskirche in Baden ab.
Die Kirche bietet die anderthalb Jahre dauernden Kurse badenweit an. Es gehe dabei um Psychologie und Pädagogik, Bibel und Theologie, sagt Gerd Haug, Studienleiter für Nordbaden. „Wir üben aktives Zuhören, Selbstreflexion und den Umgang mit Grenzen“, erzählt er. Wegen der Pandemie musste manches online stattfinden, das sei nicht immer leicht. Insgesamt gebe es 18 Kursabende und sechs Studientage. Spätestens nach dem ersten Drittel beginnen die Teilnehmer mit Besuchen in Gemeinden, Pflegeheimen und Krankenhäusern, um selbst erste Erfahrungen als Seelsorger zu sammeln. Nach Abschluss des Kurses kann man sich für den ehrenamtlichen Seelsorgedienst beauftragen lassen.
Haug sagt, trotz der Corona-Pandemie gebe es nicht wirklich Probleme, Nachwuchs zu finden. „Viele Leute haben während der Lockdowns selbst Leid erfahren und besuchen nun unsere Kurse, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben“, sagt er. Der Partner einer Teilnehmerin sei etwa während des Lockdowns im Krankenhaus gewesen. „Beide fühlten sich sehr alleine und waren froh über den Seelsorger im Krankenhaus“, berichtet er. Nun wolle sie in dessen Fußstapfen treten.
Die 66-jährige Huber erzählt, für sie sei klar gewesen, dass sie als Rentnerin noch etwas Ehrenamtliches machen wollte. Da sie bereits über 30 Jahre bei der Diakonie im Bereich Nachbarschaftshilfe und Familienpflege tätig war, erschien es ihr sinnvoll, sich im seelsorgerlichen Bereich weiterzubilden. „Es ist wirklich gut, dass ich schon Erfahrungen habe. Aber ich habe auch Neues gelernt“, sagt sie.
Spannend sei für sie gewesen zu lernen, wie sie Glaubensfragen bei solchen Gesprächen einbringen kann. „Meine Gespräche mit Patienten sind nicht immer Glaubensgespräche, aber ich freue mich, wenn ich biblische Gedanken zu Hoffnung und Vertrauen einbringen kann“, erklärt sie. Zuversicht zu schenken, mache für sie ihre Arbeit als Seelsorgerin aus.
Dabei helfen ihr auch die Supervisionsgruppen. Mindestens viermal im Jahr reflektieren die landeskirchlich Beauftragten gemeinsam ihre Arbeit. In puncto Selbstreflexion sei auch der Kurs intensiv gewesen. „Wir mussten uns mit unseren eigenen großen Verletzungen und Brüchen in der Biografie beschäftigen“, sagt Huber. Heute helfe ihr diese intensive Auseinandersetzung, um Menschen in ganz großen Nöten zu verstehen. Aber aus diesem Grund sei der Kurs nicht geeignet für Menschen, die selbst in einer Krisensituation sind.
Haug sagt, die Nachfrage nach Seelsorge sei riesig. „Das ist in allen Bereichen so“, betont er. Durch die Corona-Krise gebe es zahlreiche alte Menschen, die sich aus Angst vor dem Virus zwei Jahre nicht vor die Tür getraut haben. „Viele von ihnen würden gerne wieder am Leben teilnehmen“, sagt er. Dafür brauchen sie zum einen praktische Hilfe. „Menschen, die ihnen helfen mit den ganzen Corona-Regeln, den G’s, Apps oder Tests, das überfordert leicht“, sagt Haug. Aber vor allem brauchen sie Mutmacher.
Quelle: Leonie Mielke (epd, Februar 2022)
Sehen Sie auch den Filmbeitrag „Von Mensch zu Mensch - Ehrenamtlich Seelsorgende im Besuchsdienst“