Entsetzen über Attentat in Heidelberg – Universitätskirche bis in die Nacht geöffnet
- 24.01.2022 -
Heidelberg/Karlsruhe, (24.01.2022). Der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) hat sich erschüttert über das Attentat in einem Hörsaal der Heidelberger Universität gezeigt. „Ich bin entsetzt über dieses Attentat. Wie kommt ein Mensch dazu, solch eine Tat zu begehen?“, erklärte der Landesbischof. Die Peterskirche (Plöck 70) als Universitätskirche in Heidelberg ist am heutigen Montag (24.1.) bis 22 Uhr geöffnet, Seelsorgerinnen und Seelsorger sind vor Ort.
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„Ich trauere um die junge Frau, die getötet wurde, und ihre verzweifelten Angehörigen. Ich bete für die Verletzten und die Angehörigen, die sich um sie sorgen. Ich denke an die Studierenden, die erleiden müssen, wie verletzlich das Leben ist“, sagte Cornelius-Bundschuh. Die geöffnete Peterskirche lade Menschen dazu ein, „Ruhe zu finden und neue Kraft zu schöpfen“. Pfarrerinnen und Pfarrer seien ansprechbar, „um Menschen in ihrer Angst, Trauer und Wut beizustehen.“
Der Landesbischof dankte allen Menschen, die schnell vor Ort waren und geholfen hatten: Polizistinnen und Polizisten, die Mitarbeitenden im Rettungswesen und im psychologischen und seelsorglichen Dienst. „Und auch die vielen, die einfach gekommen sind, getröstet haben, geholfen haben, den Schrecken zu tragen. Herzlichen Dank Ihnen allen und viel Kraft und Gottes Segen für den Weg der Trauer und der Aufarbeitung“, sagte Cornelius-Bundschuh.
Niemand wird allein gelassen - Drei Fragen an Landespolizeipfarrer Ulrich Enders
Nach dem Amoklauf eines 18-jährigen Studenten in Heidelberg sind viel mehr Menschen zutiefst erschüttert, als direkt mit der Tat konfrontiert waren. Die psychologische und seelsorgerliche Hilfe für sie ist in Baden-Württemberg schon sehr gut ausgebaut. „Niemand wird hängengelassen“, sagt Landespolizeipfarrer Ulrich Enders dazu im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bei dem Amoklauf am Montag starben zwei Menschen, drei wurden verletzt.
epd: Herr Enders, wie sieht in einem Einsatzfall wie an der Heidelberger Universität am Montag die erste Intervention aus?
Landespolizeipfarrer Ulrich Enders: Je nach Landkreis unterschiedlich organisiert läuft bei solch einem Ereignis mit Traumatisierungspotenzial eine Alarmierungskette an. Der jeweilige Führer des polizeilichen sogenannten „Einsatzabschnitts Betreuung“ verschafft sich einen schnellen Überblick und kooperiert mit dem Fachdienst der Psychosozialen Notfallbetreuung. Die lässt dann von der jeweiligen Alarmierungsstelle - in Heidelberg war das die Feuerwehr - die Notfallseelsorger ins Boot holen. Innerhalb von etwa 15 Minuten waren 30 Notfallseelsorger verfügbar. Sie gehen dann vor Ort, sobald die Lage im abgesperrten Bereich geklärt ist.
epd: Wie sieht dann die Krisenintervention für die direkt Betroffenen - seien es Opfer oder Tatzeugen - aus?
Enders: Die Fachkräfte kümmern sich um alle, die potenziell eine Traumafolgestörung bekommen könnten. Das sind zum einen die ganz offensichtlich Betroffenen, nämlich direkte Opfer und diejenigen Personen, die ganz nah bei ihnen waren. Um die kümmern sich Notfallseelsorger im eins-zu-eins-Kontakt ganz individuell und so lange, bis sie stabilisiert sind oder sicher in eine weitere Betreuung abgegeben werden können. Zum anderen sind da die entfernteren Tatzeugen - im Heidelberger Fall die mit im Raum anwesenden Studierenden und Lehrkräfte. Sie werden in kleinen Gruppen zusammengeholt. Dort erhalten sie die Möglichkeit, sich auszusprechen und fürs erste wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Jeweils eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger betreut solch eine kleine Gruppe, die beispielsweise auch aus einem Betroffenen, befreundeten Personen und nahen Angehörigen bestehen kann. Niemand wird da hängengelassen und die Seelsorger schauen gerade auch nach den Stillen.
epd: Nun sind bei einem Vorfall wie in Heidelberg auch Menschen zutiefst betroffen, die direkt vom Amoklauf eigentlich nichts mitbekommen haben. Solch eine Tat kann ja ein generelles Gefühl der Bedrohung und Unsicherheit auslösen. Gibt es dafür Hilfeangebote?
Enders: Ja, auch dafür wird Sorge getragen, wenn auch nicht mit einem so engmaschigen Netz wie bei den direkt Betroffenen. Es werden Gottesdienste angeboten und Gedenkstunden - da können sich alle versammeln, können das Miteinander spüren, können aussprechen, was sie bewegt. Das ist integrierend und hilft, die Situation zu bewältigen. Darüber zu reden, das aus der Seele abzuarbeiten, ist wichtig. Dann kann die Last abfallen. Die Notfallseelsorger achten darauf, dass Anschlussbetreuungsmöglichkeiten da sind, ehe sie sich wieder zurückziehen. Wir arbeiten stetig am weiteren Ausbau und der Optimierung der Strukturen und sind in den vergangenen Jahren hier im Südwesten schon sehr weit vorangekommen. Das hat im vergangenen Jahr auch unser Einsatz im überschwemmten Ahrtal gezeigt, wohin sechs Verbände von hier gemeinsam schnell 200 Notfallseelsorger für drei Wochen schicken konnten, um den Menschen beizustehen.
Quelle: epd
Gedenkfeier in der Heidelberger Peterskirche
Mit einer Gedenkfeier, verbunden mit einer Schweigeminute, wird die Universität Heidelberg am Montag (31. Januar 2022) an die Geschehnisse erinnern, die an diesem Tag eine Woche zuvor die akademische Gemeinschaft und alle mit ihr verbundenen Menschen zutiefst getroffen und erschüttert haben. Die Veranstaltung in der Universitätskirche kann in einer um 12.00 Uhr beginnenden Liveübertragung digital verfolgt werden und wird auch im SRW Fernsehen übertragen.
Durch die Gedenkfeier führt Universitätsprediger Prof. Dr. Helmut Schwier. An der Veranstaltung in der Heidelberger Peterskirche – der Universitätskirche – nehmen u.a. der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl sowie unter anderem Wissenschaftsministerin Theresia Bauer als Vertreter des Landes Baden-Württemberg teil. Einen Wortbeitrag gestalten der Erzbischof von Freiburg, Stephan Burger, und der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, begleitet von Mitgliedern der Jüdischen und der Muslimischen Hochschulgemeinden. Die Redner werden ebenso wie Studierende und Rettungskräfte mit Kerzen und Blumen der Opfer der Geschehnisse vom 24. Januar und insbesondere auch der 23-jährigen getöteten Studentin gedenken. Den musikalischen Rahmen der Gedenkfeier gestalten Mitglieder des Collegium Musicum, des Universitätsorchesters und Universitätschores.