Kandidierende für das Amt des Bischofs / der Bischöfin stellen sich auf digitaler Wahlsynode vor – morgen Wahl
Karlsruhe, (16.12.2021). Die beiden Kandidierenden für das Amt des Landesbischofs bzw. der Landesbischöfin haben sich am heutigen Donnerstag (16.12.) auf der digital tagenden Wahlsynode vorgestellt. Die Wahl findet am Vormittag des morgigen Freitags (17.12.) statt. Zur Wahl stehen Martin Mencke (Wiesbaden) und Heike Springhart (Pforzheim).
Nach dem digitalen Eröffnungsgottesdienst mit Prälatin Dagmar Zobel und Prälat Traugott Schächtele hielten Mencke und Springhart ihre jeweiligen Vorstellungsreden. Im nichtöffentlichen Teil der Wahlsynode werden die Kandidierenden heute Nachmittag in den Ausschüssen zu Gast sein und sich den Fragen stellen.
Martin Mencke plädierte in seiner Vorstellungsrede für eine Kirche, die über ihren Glauben nachdenkt und ihn erfahrbar macht, öffentlich redet und handelt, sich für die Schwachen und Sprachlosen einsetzt und zugleich fröhlich und einladend ist. Als „agile, bewegliche Kirche“ wachse sie auch im Kleinerwerden „der Zukunft Gottes entgegen“. Ihre evangelische Vielfalt sei dabei ihre besondere Stärke. Er skizzierte das Bild einer Kirche, „die Fragen und Themen der Menschen ernst nimmt“ und sich am Gemeinwesen orientiere.
Der Glaube sei dabei „ein Anker, der froh macht, tröstet und begeistert“ und die Erfahrungen des Lebens in ein neues Licht werfe, erklärte Mencke. Für die Überlegungen zur Gestalt der Kirche der Zukunft sei es eine entscheidende Frage, „ob in dem, was Kirche tut und wie sie lebt, die Erfahrung der Liebe und Gegenwart Gottes bestens möglich ist.“
Daueraufgabe von Kirchenleitung sei es, „immer wieder neu zu justieren, dass die Institution Kirche die Dynamik der Wege des Geistes aufnimmt. Dass sie nicht nur darauf achtet, wo Kirche vorfindlich, organisiert und sorgfältig verwaltet ist, sondern vor allem auch darauf, wo Kirche wird“, sagte Mencke. Auch die badische Landeskirche könne „nicht einfach das weitermachen, was bisher immer schon so war“. Mit weniger Ressourcen die Arbeit neu auszurichten, erfordere auch Loslassen.
In ihrer Vorstellungsrede bekannte sich Heike Springhart zu einer Kirche, „die Menschen im gesellschaftlichen Wandel ermutigt und konstruktive Impulse setzt.“ Kirchenleitung bedeute ihr unter anderem, dazu beizutragen, „dass die Lust an der Verantwortung sich entfalten kann. Dadurch, dass Ehrenamtliche erleben, dass ihre Gaben und ihre Expertise nicht nur gehört und ernstgenommen, sondern fruchtbar gemacht werden. Und dadurch, dass Hauptamtliche gestärkt werden, auch in komplexen Prozessen Gestaltungsfreiräume zu haben.“
Springhart äußerte den Wunsch nach einem „neugierigen, staunenden und dankbaren Blick“ der Kirche, der auch die Kraft in kleinen Details entdeckt, zum Beispiel im gottesdienstlichen Leben. Besonders wichtig sei ihr auch die Musik in der Kirche, die den Glauben stärken könne. Für die Zukunft wünsche sie sich auch „einen visionären und konstruktiven Umgang mit unseren Gebäuden. Dass wir die Potenziale sehen, die in ihnen stecken.“
Hinsichtlich der gesellschaftlichen Verantwortung sagte Springhart: „Wo die Würde von Menschen in ihrer Verletzlichkeit auf dem Spiel steht, wo Recht und Gerechtigkeit mit Füßen getreten werden und wo die großen Zukunftsfragen am Horizont sind, da haben wir etwas einzubringen, was sonst niemand sagen kann.“ Auch sei es ihr wichtig, die christliche Perspektive „selbstbewusst ins Gespräch bringen. Mit Kulturschaffenden, Unternehmern und Medienmachern, mit Juristinnen und Politikern – mit Menschen aus der Zivilgesellschaft, die mit uns zusammen die Zukunft gestalten.“
Zu den Kandidierenden:
Dr. Martin Mencke (Jg. 1966) ist promovierter Theologe und seit 2011 Dekan des Evangelischen Dekanats Wiesbaden. Zuvor war er sieben Jahre Pfarrer der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde Washington DC (USA) und dort zugleich Fachbereichsleiter für Religion/Ethik an der Deutschen Schule. Zwischen Studium und Vikariat promovierte Mencke über das Thema „Erfahrung und Gewissheit des Glaubens“ an der Universität Tübingen.
Prof. Dr. Heike Springhart (Jg. 1975) ist habilitierte Theologin und derzeit Pfarrerin der Evangelischen Johannesgemeinde in Pforzheim. Von 2010 bis 2019 war sie Studienleiterin am Theologischen Studienhauses Heidelberg. Sie lehrte an den Universitäten Bochum, Heidelberg und Zürich. 2013 und 2014 war sie Gastwissenschaftlerin an der University of Chicago (USA). Springhart promovierte über den „Beitrag von Religion und Kirche für Demokratisierung und Reeducation im Westen Deutschlands nach 1945“.
Mencke und Springhart bewerben sich um die Nachfolge von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh, der Ende März 2022 in den Ruhestand geht. Die Verabschiedung des alten Landesbischofs und die Einführung der neuen Landesbischöfin/des neuen Landesbischofs findet am 10. April 2022 statt. Wie die heutigen Vorstellungsreden wird auch die Wahl am morgigen Freitagvormittag (17.12.) auf www.ekiba.de übertragen.
Weitere Informationen zu den Kandidierenden unter www.ekiba.de/wahl-zum-bischofsamt.


