Wenn Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich ist

- 28.11.2021 - 

Bischofskandidierende predigen über den Advent in Corona-Zeiten

Heidelberg, (28.11.2021). Die beiden Kandidierenden für das Bischofsamt der badischen Landeskirche, Martin Mencke und Heike Springhart, haben sich am Sonntag in Heidelberg der Öffentlichkeit in Gottesdiensten vorgestellt. Die evangelischen Theologen predigten über die Sehnsucht in der Adventszeit angesichts der Corona-Pandemie.

Blick auf ein Person, die ein Mikrofon in die Kamera hält und sich auf einem Block Notizen macht.

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Gerade werde wieder deutlich, dass Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich sei, sagte die Pforzheimer Pfarrerin Heike Springhart in ihrer Predigt. Als Beispiele nannte sie den „offenen Handschlag zur Begrüßung, die Umarmung und Nähe, Gesundheit und Schaffenskraft“.
 
Nach ihrer Auffassung sollte die Kirche sollte auch künftig nicht auf digitale Gottesdienstangebote verzichten. „Wir müssen uns in Zukunft breiter aufstellen, so wir das in der Corona-Pandemie begonnen haben“, sagte die Theologin am Nachmittag vor Journalisten in Heidelberg.
 
Digitale Gottesdienste müssten aber ansprechend und professionell sein „nicht nur in Inhalt, sondern auch in der Form“. Sie sollten außerdem, dem Medium entsprechend, kurz sein. Die Zukunft der Kirche sehe sie jedoch weiterhin nicht nur im Digitalen. Kirche lebe in der Präsenz mit Gottesdiensten vor Ort. Ein Musikstück in der Kirche anzuhören habe eine ganz andere „Resonanz“ als am Bildschirm.
 
Sollte Sie zur Bischöfin gewählt werden, wolle sie den Transformationsprozess in der Kirche gestalten: „Da werden die nächsten zehn Jahre werde sehr herausfordernd.“ Wichtig sei es dabei jedoch, dass die Kirche nicht nur um sich selbst kreise. Vielmehr gehe es darum, das Evangelium unter die Leute zu bringen.
 
Am Vormittag hatte sich auch der Wiesbadener Dekan Martin Mencke in einem Gottesdienst vorgestellt. In der anschließenden Pressekonferenz forderte er von der Kirche mehr Mut zur Einmischung in der Welt. „Die Zukunft der Kirchen ist ökumenisch“, sagte der Theologe mit Blick auf den anstehenden Transformationsprozess. In der Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Organisationen liege ein großes Potenzial.
 
In seiner Predigt in der Friedenskirche in Heidelberg ging der 55-Jährige auf die Sorge und Unsicherheit der Menschen durch die Corona-Pandemie ein. Gleichzeitig forderte er, dass die Kirche auch politisch Stellung beziehen müsse. „Das sind zum Teil hochheikle Themen“, sagte Mencke.
 
Er sei ratlos, wenn er sehe, wie sich die Infektionszahlen im zweiten Corona-Winter entwickelten. Die Politik habe zu lange damit gewartet, die richtigen Schritte zu gehen. Verantwortung könne aber auch jeder einzelne übernehmen, für sich selbst und im eigenen Nahbereich, sagte der evangelische Theologe.
 
Springhart und Mencke kandidieren für die Nachfolge des evangelischen badischen Landesbischofs Jochen Cornelius-Bundschuh, der im April 2022 in den Ruhestand geht.
 
Die Synode der badischen Landeskirche trifft sich im Dezember zu einer zweitägigen Sondersitzung in Bad Herrenalb. Ob die Tagung in Präsenz stattfinden könne, werde noch entschieden, sagte Synodalpräsident Axel Wermke. Zur Not könne am 17. Dezember aber auch digital gewählt werden. Eine Verschiebung der Wahl sei nicht geplant.
 
Quelle: epd