Impfen am Altar
Evangelische Stadtkirche Karlsruhe wird zum Impfzentrum
Karlsruhe, (26.11.2021). Begleitet von Orgelmusik und mit Blick auf den Altar ist am Mittwochnachmittag in der Stadtkirche Karlsruhe geimpft worden. Schon Stunden zuvor standen die Menschen an. Der Andrang war so groß, dass viele weggeschickt werden mussten.

Quelle: Christine Süß-Demuth / epd - eingebettet von www.ekiba.de
Die 14-jährige Andrea kann es kaum erwarten: Sie erhält ihre erste Impfung gegen das Corona-Virus - und das an einem ungewöhnlichen Ort: der evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe. Am Mittwochnachmittag ist das zentral am Marktplatz gelegene Gotteshaus erstmals zu einem Impfzentrum geworden. Durch einen Sichtschutz abgetrennt, findet die Impfung direkt hinter dem Altar statt.
„Jetzt werde ich endlich geimpft wie meine Geschwister und Eltern,“ sagt Andrea. Geduldig klärt sie der Arzt Siegfried Schönian über mögliche Nebenwirkungen des Biontech-Wirkstoffs auf. Währenddessen erzählt Andreas Mutter, dass sie am Vortag sechseinhalb Stunden bei einem Impfangebot in einem Einkaufszentrum warteten - vergeblich, denn kurz vor ihnen waren alle Dosen verbraucht.
Ähnlich ergeht es auch Wartenden vor der Stadtkirche. Diejenigen, die sich erst zu Beginn der Aktion um 13 Uhr in die Schlange vor der Kirche einreihen, muss Pfarrerin Claudia Rauch schweren Herzens wieder wegschicken. Denn an diesem Nachmittag können nur 100 Personen geimpft werden.
Im Kirchenraum ist leise Orgelmusik zu hören. In den Kirchenbänken auf der rechten Seite warten junge und alte Menschen auf ihre Erst-, Zweit- oder Auffrischungsimpfung. Eine von ihnen ist die 68jährige, krebskranke Marlene. Sie habe Asthma und sei deshalb von Maskentragen befreit. „Ich habe große Angst, mich anzustecken“, erzählt sie. Weil ihr Hausarzt erst Ende Februar im nächsten Jahr einen Termin für sie hatte, sei sie in die Kirche bekommen.
Als „Akt der Nächstenliebe“ bezeichnete der evangelische Dekan Thomas Schalla die Aktion. Hier werde das medizinische Angebot eines Vakzins mit einem spirituellen Angebot verbunden: „Wir tun etwas für Leib und Seele“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mit diesem Dienst an den Menschen nehme die Kirche ihre Verantwortung für das Zusammenstehen in der Gesellschaft wahr. Die Aktion findet in Zusammenarbeit mit der City-Initiative Karlsruhe und der Zentral-Apotheke statt.
Mit dieser ungewöhnlichen Aktion will die evangelische Kirche in den nächsten Wochen mittwochs und freitags von 13 bis 18 Uhr ein niederschwelliges Impfangebot ohne vorherige Terminvergabe machen. Am Samstagnachmittag werde im Gemeindehaus um die Ecke geimpft, sagte Pfarrerin Claudia Rauch. Mit Blick auf Impfskeptiker sagt die Theologin: „Gott hat uns einen Verstand und medizinische Möglichkeiten gegeben. Dies sollten wir nutzen.“
Quelle: epd

