„Kann es so weitergehen oder müssen wir umkehren?“ - Bußtagsbotschaft des Landesbischofs
Karlsruhe, (15.11.2021). In seiner Botschaft zum diesjährigen Buß- und Bettag am Mittwoch (17.11.) hat Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) dazu aufgerufen, sich politisch und privat für eine klimagerechte Zukunft einzusetzen. Mit dem Buß- und Bettag setze die Kirche jedes Jahr ein Stoppschild: „Haltet gemeinsam inne und schaut: Kann es so weitergehen oder müssen wir umkehren?“ Zugleich erinnere der Buß- und Bettag an die biblische Verheißung, im Vertrauen auf Gottes Güte einfacher zu leben - „damit Gerechtigkeit wächst, Friede sich ausbreitet und wir dem Leben unserer Mitgeschöpfe mit mehr Ehrfurcht begegnen“.

Quelle: ekiba / David Groschwitz - eingebettet von www.ekiba.de
Die Botschaft im Wortlaut:
„Mit dem Buß- und Bettag setzt die Kirche jedes Jahr ein Stoppschild: „Haltet gemeinsam inne und schaut: Kann es so weitergehen oder müssen wir umkehren?“
Besonders drängend ist in diesen Tagen das Thema der Klimagerechtigkeit. Dabei geht es um politische Entscheidungen, wie sie jetzt in Glasgow verhandelt wurden: Wie schnell können wir auf erneuerbare Energieträger umstellen? Wie gelingt eine neue Verkehrspolitik? Wie unterstützen wir Länder, die jetzt schon massiv unter dem Klimawandel leiden? Wie lassen sich die entsprechenden Maßnahmen sozial und global gerecht gestalten?
Aber es geht auch konkret um uns und das, was wir verantwortlich tun! Wir sind gemeinsam als Kirche und persönlich als Christenmenschen gefragt: Wie können wir unseren Energieverbrauch in Kirche und Gemeindehaus senken? Was hindert mich daran, nur noch 120 km/h zu fahren oder öfter den ÖPNV zu benutzen?
Einfach sind die Antworten nicht. Ich spüre eine große Unsicherheit. Denn es stehen zwei Sorgen im Raum, die uns in unterschiedliche Richtungen drängen. Einerseits der Druck: Werden wir es schaffen, noch rechtzeitig umzukehren? Andererseits die Sorge: Was drohen wir zu verlieren – persönlich oder gesellschaftlich – durch eine Umkehr zum Leben? Das ist eine Spannung, die mich wie viele andere begleitet: Ich versuche, weite Strecken mit dem Zug, kurze mit dem Fahrrad oder, wenn es regnet, auch mal mit der Straßenbahn; für vieles nutze ich dann aber doch das Auto. Andere haben keine Wahl und müssen mit dem Auto zur Arbeit fahren, weil der ÖPNV auf dem Land nicht hinreichend ausgebaut ist – auch wenn sie wissen, dass das auf Kosten der nachfolgenden Generation geht.
Der Buß- und Bettag ist ein Geschenk an uns und unsere Gesellschaft. Wir brauchen diesen Tag, um genau diese Spannung auszuhalten und gemeinsam darüber nachzudenken: Wie können wir mutig etwas ändern und zugleich die Sorgen um die Zukunft ernstnehmen? Wir sollten diesen Tag als Kirche nutzen, um in unseren Gemeinden und Kommunen mit Menschen ins Gespräch zu kommen, was wir konkret tun können.
Mich stärkt und begleitet in diesen Debatten der Liedvers aus unserem Gesangbuch: „Kehret um, kehret um und ihr werdet leben!“ (Ezechiel 18, 32) Im gemeinsamen Singen spüre ich, wie Christi Liebe mich zur Umkehr lockt. Ich steige aus diesem „immer mehr, immer schneller, immer besser“ aus und erlebe die Freude am Genug. Viele haben sich während der Corona-Zeit wie ich an den Spaziergängen im heimischen Wald, dem Gesang der Vögel oder dem Rot der Mohnblumen erfreut; viele haben eine neue Zufriedenheit erlebt, weil sie mehr Zeit für sich, für Fürsorge und Gemeinschaft hatten.
„Kehret um, kehret um, und ihr werdet leben!“ Das ist die Verheißung des Buß- und Bettages. Sie macht uns Mut, im Vertrauen auf Gottes Güte einfacher zu leben und unseren persönlichen, gemeindlichen und gesellschaftlichen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, damit Gerechtigkeit wächst, Friede sich ausbreitet und wir dem Leben unserer Mitgeschöpfe mit mehr Ehrfurcht begegnen.

