„… und in Zukunft“ - Abschluss des Jubiläumsjahres 200 Jahre badische Landeskirche

Freiburg, (01.11.2021). Mit einer zentralen, ökumenischen Festveranstaltung hat die Evangelische Landeskirche in Baden am gestrigen Reformationstag (31.10.) in Freiburg die Feierlichkeiten zum Gedenken an ihre Gründung vor 200 Jahren beendet. Unter dem Motto „… und in Zukunft“ diskutierten Vertreter aus Kirche und Gesellschaft in der Maria-Magdalena-Kirche in Freiburg-Rieselfeld und feierten anschließend einen ökumenischen Gottesdienst.

Quelle: Daniel Meier / ZfK - eingebettet von www.ekiba.de

Fachleute und andere Vertreterinnen und Vertreter aus der Ökumene, der Politik, dem sozialen Bereich, der Lebensmittelproduktion, der Landwirtschaft und der digitalen Kommunikation tauschten sich in Talk-Runden darüber aus, wie Transformationsprozesse gestaltet werden können und welche Rolle die Kirche dabei spielen kann.
 
Im Themenfeld „Von Wertschöpfung zu Wertschätzung − Kirche und gute Ernährung“ würdigte Jürgen Mäder, Vorstand Edeka Südwest, das kirchliche Engagement in Wirtschaft und Arbeitswelt und die damit verbundene Herausforderung eines kritischen Dialogs mit der Fleischprodution unter kirchlicher Moderation. Winzer Gerd Schindler sprach sich für die Wahrnehmung der „größeren Dimension der Schöpfung“ aus und ihre Bewahrung und warb dafür, dass die Konsumenten ein stärkeres Bewusstsein für die Herkunft von Lebensmittel bekommen. Mäder und Schindler betonten beide, wie wichtig sei, dass die Verbraucher bessere Einblicke in die Lebensmittelproduktion bekommen würden.
 
Unter dem biblischen Motto „Suchet der Stadt Bestes“, von Moderatorin Juliane Langer zeitgemäß interpretiert als Aufruf „Werdet Kommunalpolitiker“ riefen Ortsvorsteherin Silvia Schumacher (Freiburg-Opfingen) und Freiburgs Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach dazu auf, kirchliche Räume in ihrer nichtkommerziellen Ausrichtung stärker auch für Nutzerinnen und Nutzern aus anderen Bereichen zu öffnen. Gemeinsam seien der Kirchengemeinde und der Kommune die „Fürsorge für Gemeinschaft und Gesellschaft“, so von Kirchbach. Dabei sei es auch eine notwendige kirchliche Aufgabe, „in einem konstruktiven Dialog den Finger in die Wunder zu legen und Dinge beim Namen zu nennen“.
 
Einblicke in die generationenübergreifende Arbeit von Kirche und Kommune gaben Gerhard Kiechle (Bürgergemeinschaft Eichstetten) und Annegret Trübenbach-Klie vom landeskirchlichen Projekt „Sorgende Gemeinde werden“. Nicht durch einen Wohlfahrtsverband organisiert, sondern alleine auf bürgerschaftlicher Verantwortung basierend habe sich in Eichstetten eine „caring community“ als neue Form einer solidarischen Dorfgemeinschaft etabliert, erklärte Kiechle, und damit sei der Generationenvertrag erweitert und neu praktiziert worden. Trübenbach-Klie berichtete von mehreren Projekten zur „sorgenden Gemeinde“ im kirchlichen Bereich, zum Beispiel von einem Trefftisch im örtlichen Supermarkt in Boxberg und einem Generationenpark in Waldkirch.
 
In einer weiteren Gesprächsrunde diskutierten Elias Renz („Sinnfluencer“ alias ey.lias) und Stephan Trahasch (Rektor der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien Offenburg) die Möglichkeiten der kirchlichen Präsenz im digitalen Raum. Renz berichtete von den Herausforderungen digitaler Angebote im Bereich von Verkündigung und Seelsorge, Trahasch rief die Kirchen dazu auf, den virtuellen Raum zu nutzen, um Fragen der digitalen Ethik zu reflektieren und dadurch „die Spielregeln digitaler Kommunikation“ mitzugestalten.
 
Angesichts einer zunehmend indifferenten bis kritischen Einstellung junger Menschen zur Institution Kirche zeigten schließlich Jule Wittwer (Jugendarbeit Maria-Magdalena, Freiburg) und Felix Sumbert vom Pfarrgemeinderat der katholischen Kirchengemeinde Freiburg-Südwest Beispiele der persönlichen Identifikation mit der evangelischen und katholischen Kirche vor Ort als „zweitem Zuhause“. Sumbert rief dazu auf, „mit Mut Traditionen zu überdenken und Innovationen zu wagen“.
 
In seiner Predigt rief Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) zu mehr Verständigung über Grenzen hinweg auf. In einer sich immer weiter aufspaltenden Welt sollten die Christen nicht in Abgrenzung leben, sondern weltweit zur Versöhnung beitragen für eine inklusive Gemeinschaft. Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger betonte das gemeinsame Erbe und den Auftrag von evangelischer und katholischer Kirche. Das Jubiläumsjahr mache deutlich, dass „wir aufeinander angewiesen sind als christliche Kirchen gerade auch in unserem Verhältnis zum Staat“, sagte er in einem Grußwort.
 
„Dass wir am Ende des Jubiläumsjahres mit gesellschaftlichen Akteuren, denen wir uns besonders verbunden wissen, über gemeinsame und vergleichbare Herausforderungen ins Gespräch gekommen sind, zeigt ein Charakteristikum des badischen Protestantismus: öffentliche und gesellschaftlich engagierte Kirche zu sein“, erklärte der landeskirchliche Beauftragte für das Unionsjubiläum, Hans-Georg Ulrichs, und zog eine positive Bilanz des Jubiläumsjahres.
 
Die gesamte Veranstaltung ist unter www.ekiba.de/kirche-und-zukunft abrufbar.
 
  

Dr. Daniel Meier

Ehemaliger Pressesprecher der Landeskirche (2012-2023)