Kretschmann: „Kirchliche Einheit kann Spaltung der Welt verringern“

Bad Herrenalb, (27.10.2021). Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Stuttgart) hat die Kirchen dazu aufgerufen, im Bemühen um eine „Einheit in versöhnter Verschiedenheit die große Spaltung der Welt“ zu überwinden und Brücken zu bauen. Dies gelte gegenwärtig vor allem mit Blick auf die Erderhitzung als „gemeinsamem Gegner“, erklärte Kretschmann auf der Tagung der badischen Landessynode am gestrigen Abend (26.10.) in Bad Herrenalb.

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Durch die Religion bekomme die Welt „als Gottes Schöpfung eine sakramentale Imprägnierung“. Aus dem biblischen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung ergebe sich ein „ökologischer Imperativ“ und der „Ruf nach einem anderen Leben in Verzicht und Bescheidenheit“. Evangelische, katholische und orthodoxe Christen könnten dabei ihr je eigenes Profil der „Freiheit des Christenmenschen, der weltumspannenden Kirche und des Mysteriums des Glaubens“ einbringen. Zugleich sei es wichtig, im ökumenischen Dialog die „kulturellen Grundströmungen“ zu akzeptieren, sagte der Ministerpräsident.

Insgesamt wünschte sich Kretschmann von den Kirchen, dass sie „mutiger werden und kirchentrennende Mauern überspringen“. Die Kirchen und ihre Mitglieder seien „Stützen unserer Demokratie. Sie erzeugen Gemeinsinn und setzen sich eine für humane, tolerante und nachhaltige Gesellschaft ein. Wenn diese wichtige Säule der Gesellschaft Risse bekommt, wackelt das ganze Gebäude“. Eine große Bedeutung habe für ihn auch der verfassungsmäßig garantierte Religionsunterricht, bei dem die Authentizität des Lehrers bzw. der Lehrerin und dessen bzw. deren gelebte Religion zentral sei. „So wie der Deutschlehrer gerne in das Theater und der Biologielehrer gerne in den Wald, muss der Religionslehrer gerne in den Gottesdienst gehen“, so der Ministerpräsident wörtlich. Aus einem falsch verstandenen Toleranzbegriff bestehe demgegenüber die „Gefahr einer Selbstsäkularisierung“ des Religionsunterrichtes.

Als zentrale Herausforderung des kirchlichen Handelns bezeichnete Kretschmann den „Glaubensverlust, auf Grund dessen Menschen die Kirche verlassen“. So müssten immer wieder Wissenschaft und religiöse Welterklärung zusammengebracht werden. „Das Wichtigste in einer Kirche ist das Evangelium, die gute Nachricht an die Welt – die Botschaft vom Leben spendenden, liebenden und erlösenden Gott“, so Kretschmann. Er wünsche sich von den Kirchen, „diese Botschaft selbstbewusst zu verbreiten. In Anlehnung an ein Zitat von Friedrich Nietzsche plädierte der Ministerpräsident dafür, „als Christen mit unserem ganzen Habitus erlöster auszusehen.“ Der badischen Landeskirche bescheinigte er, „einer der Fröhlichsten zu sein – die Richtung stimmt“.
 
  

Dr. Daniel Meier

Ehemaliger Pressesprecher der Landeskirche (2012-2023)