Badische Landesynode berät den Doppelhaushalt 2022/2023 und langfristigen Strategieprozess

Bad Herrenalb, (25.10.2021). Mit einem Gottesdienst und der anschließenden Haushaltsrede ist am heutigen Montag (25.10.) die Herbsttagung der badischen Landessynode in Bad Herrenalb eröffnet worden. Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh ermutigte die Kirchenvertreter in seiner Predigt dazu, aufzubrechen und, „Freiheit zu Neuem, aber auch Freiheit von Altem“ zu wagen. Bis zum Donnerstag (28.10.) beraten die 71 Delegierten den Doppelhaushalt für die Jahre 2022 und 2023 sowie Grundsatzentscheidungen im Rahmen des landeskirchlichen Strategieprozesses.

Quelle: ekiba / Ulli Naefken - eingebettet von www.ekiba.de

„Wer aufbricht, muss Abschied nehmen und sich von lieb Gewordenem trennen“, erklärte der Landesbischof. „Alte Gewohnheiten werden herausgefordert, bisherige Bindungen verlieren an Einfluss, vermeintliche Gewissheiten werden in Frage gestellt.“ Die gewachsenen Strukturen würden Sicherheit geben und Menschen an die Kirche binden. „Aber wenn der Erhalt des Gemeindehauses zur Bekenntnisfrage wird oder die Kooperation mit einer anderen Gemeinde oder einer diakonischen Einrichtung zu einem Streitpunkt, der Gemeinschaften zerreißt, dann drohen wir unseren eigentlichen Auftrag aus den Augen zu verlieren“, sagte Cornelius-Bundschuh.
 
Das Gesamtvolumen des Haushaltsentwurfes beträgt 475 Millionen Euro im Jahr 2022, davon speisen sich 347 Millionen aus Kirchensteuern. Für 2021 hatte der Nachtragshaushalt noch 488 Millionen Euro umfasst. Aufgrund leicht erhöhter Personalausgaben durch Tarifsteigerung liegt das Haushaltsvolumen im Jahr 2023 bei 485 Millionen Euro. Die von der Landeskirche verantworteten Personalausgaben belaufen sich 2023 auf 233 Millionen Euro.
 
„Wir bedanken uns bei allen Menschen, die mit ihren Kirchensteuern die vielfältige Arbeit der Kirche für die Gesellschaft ermöglichen“, erklärte der für Finanzen zuständige Oberkirchenrat Martin Wollinsky (Karlsruhe). So werden zum Beispiel 39 Millionen Euro für die Diakonie, die Ökumene und den Entwicklungsdienst bereitgestellt. Die Ausgaben für die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit, Konfirmandenarbeit und Arbeit in den Kindertagesstätten und Familienzentren belaufen sich auf 50 Millionen Euro. In die kirchliche Bildungsarbeit fließen 70 Millionen Euro im Bereich Religionsunterricht, Evangelische Schulen und Hochschulen.
 
In langfristiger Sicht geht es beim Strategieprozess vor allem um die Stellenentwicklung und die Rahmenbedingungen für kirchliche Liegenschaften. Bereits im Herbst 2020 hatten die Synodalen beschlossen, dass die Ausgaben bis zum Jahr 2032 sukzessive um 20 Prozent reduziert werden. Mit einer weiteren Umschichtung von 10 Prozent sollen zentralen Vorhaben, etwa im Bereich der Digitalisierung, bei Gebäudesanierungen und Klimaschutzmaßnahmen sowie weitere Innovationen ermöglicht werden.
 
„Neben einem deutlichen Einstieg in die Konsolidierung des Haushaltes, geht es in den nächsten Jahren in gleichem Maße darum, finanzielle Mittel bereitzustellen, um Innovationen in der Fläche zu ermöglichen und nach neuen Formen kirchlichen Lebens zu suchen“, unterstrich der Vorsitzende des Finanzausschusses, Helmut Wießner (Wertheim). Der Strategieprozess der Landeskirche stehe deshalb unter der doppelten Zielsetzung von Transformation und Reduktion.
 
Aufgrund der Corona-Situation finden die öffentlichen Plenarsitzungen im Kurhaus Bad Herrenalb statt. Darüber hinaus beraten die Landessynodalen Themen und Gesetze im Detail in vier Ausschüssen: dem Hauptausschuss, dem Finanzausschuss, dem Rechtsausschuss sowie dem Bildungs- und Diakonieausschuss.
 
Die Plenumssitzungen sind öffentlich und werden unter www.ekiba.de/landessynode/herbsttagung2021 übertragen. Weitere Informationen zur Tagung der Herbstsynode finden Sie unter www.ekiba.de/landessynode/herbsttagung2021. Weitere Informationen zum Strategieprozess finden Sie hier: www.ekiba.de/strategieprozess.
 

Der weitere Ablauf

Montag, 25. Oktober 2021

15.30 Uhr       Sitzungen der ständigen Ausschüsse (nicht öffentlich)
20.00 Uhr       Gemeinsame Sitzung der ständigen Ausschüsse (nicht öffentlich)
 

Dienstag, 26. Oktober 2021

09.30 Uhr       Sitzungen der ständigen Ausschüsse (nicht öffentlich)
15.30 Uhr       Sitzungen der ständigen Ausschüsse (nicht öffentlich)
19. 45 Uhr      Gespräch mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (nicht öffentlich)
 

Mittwoch, 27. Oktober 2021

09.30 Uhr       Sitzungen der ständigen Ausschüsse (nicht öffentlich)
14.30 Uhr       2. Plenarsitzung (Kurhaus, öffentlich)
      • Wahlprüfung
      • Wahl Vergabeausschuss „Hilfe für arbeitslose Menschen“
      • Behandlung von Vorlagen und Eingängen
17.15 Uhr       Gemeinsame Sitzung der ständigen Ausschüsse (nicht öffentlich)
20.00 Uhr       Sitzungen der ständigen Ausschüsse (nicht öffentlich)
 

Donnerstag, 28. Oktober 2021

09.15 Uhr       Morgenandacht (Kurhaus, öffentlich)
09.30 Uhr       3. Plenarsitzung ganztägig (Kurhaus, öffentlich)
      • Behandlung von Vorlagen und Eingängen
  

Dr. Daniel Meier

Ehemaliger Pressesprecher der Landeskirche (2012-2023)
 

 
Lesen Sie dazu auch folgende epd-Meldung:
 

Badische Landeskirche will 30 Prozent einsparen bis 2032 - Synode berät über Doppelhaushalt und Strategieprozess

 
Die badische evangelische Landeskirche will in den nächsten zehn Jahren ihre Ausgaben um 30 Prozent reduzieren. Bis Donnerstag tagen die 71 Synodalen aus ganz Baden in Bad Herrenalb. Dort soll auch der Doppelhaushalt 2022/23 verabschiedet werden.
 
Karlsruhe/Bad Herrenalb (epd). Die badische evangelische Landeskirche will in den nächsten zehn Jahren 30 Prozent einsparen. Dies sei eine große Herausforderung, sagte die Personalreferentin der badischen Landeskirche, Oberkirchenrätin Cornelia Weber, am Montag vor der in Bad Herrenalb tagenden Landessynode. Die Gestaltung der Kirche mit 30 Prozent weniger finanziellen Mitteln, Personal und Gebäuden könne nur gelingen, wenn neue Strukturen und Formen der Zusammenarbeit und der arbeitsteiligen Vernetzung ermöglicht werden.
Bereits im Herbst 2020 hatten die Synodalen beschlossen, die Ausgaben bis zum Jahr 2032 sukzessive zu reduzieren. Neben den Personalkosten sind die Gebäude die zweitgrößte Einzelposition im Haushalt. Das Gesamtvolumen des Haushaltsentwurfes beträgt 475 Millionen Euro im Jahr 2022, davon stammen 347 Millionen aus Kirchensteuern. Für das Jahr 2023 liegt das Haushaltsvolumen bei 485 Millionen Euro, davon sind nach landeskirchlichen Angaben 233 Millionen Euro Personalkosten. Der landeskirchliche Finanzreferent, Oberkirchenrat Martin Wollinsky, bedankte sich bei den Kirchensteuerzahlern. Diese ermöglichten die vielfältige Arbeit der Kirche für die Gesellschaft.
 
Mit einem Gottesdienst war die Herbsttagung der Landessynode am Montagmorgen eröffnet worden. In seiner Predigt appellierte Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh an Christinnen und Christen, die eigenen Interessen zurückzustellen und Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Als ein Beispiel nannte er die zivile Seenotrettung im Mittelmeer: „Das politische Europa duckt sich weg, nimmt seine im internationalen Recht klar verankerte Verantwortung für die Seenotrettung nicht wahr“, kritisierte der evangelische Theologe.
 
Ähnlich sei dies mit den Impfungen im globalen Süden. Diese kämen nicht voran, weil Gesundheit als ein „handelbares Gut“ und nicht als ein Menschenrecht gesehen werde. Die christliche Botschaft und die kirchlichen Strukturen sollten sich nicht an nationalen, wirtschaftlichen oder kulturellen Interessen orientieren, sondern an der Liebe Christi. Nur dann könne sich etwas ändern. Auch wenn materielle Fragen wichtig seien, „dürfen wir den christlichen Auftrag nicht aus den Augen verlieren“, so der Landesbischof.
 
Angesichts der Beratungen ermutigte Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh die Kirchenvertreter in seiner Predigt dazu, aufzubrechen und „Freiheit zu Neuem, aber auch Freiheit von Altem“ zu wagen. Dazu gehöre auch, sich von lieb Gewordenem zu trennen. Bis zum Donnerstag beraten die 71 Delegierten den Doppelhaushalt für die Jahre 2022/23 sowie Grundsatzentscheidungen im Rahmen des landeskirchlichen Strategieprozesses.
 
Die Synode ist eines von vier kirchenleitenden Gremien neben dem Landesbischof, dem Landeskirchenrat und dem Oberkirchenrat. Das Kirchenparlament vertritt rund 1,1 Millionen Protestanten in Baden von Wertheim im Norden bis zum Bodensee im Süden.
 
Quelle: epd