„Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“ – Zum Tod von Hans Maaß

- 12.10.2021 - 

Karlsruhe, (12.10.2021). Am 4. Oktober 2021 ist Dr. paed. h.c. Hans Maaß, Kirchenrat i.R., in Karlsruhe verstorben.

Quelle: Stefan Maaß - eingebettet von www.ekiba.de

Hans Maaß war nach seinem Theologiestudium und Vikariat bis 1977 Pfarrer in Malterdingen. In dieser Zeit zeigte sich seine besondere Begabung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die er als Bezirksjugendpfarrer und Beauftragter für Kindergottesdienst wahrnahm. Schon früh wurde auch seine breite theologische Bildung erkannt, die er unter anderem als Mitglied des Prüfungsamtes für das Fach Neues Testament in den Dienst der Landeskirche stellte. Dass er gerne und mit Leidenschaft Religionsunterricht erteilte und sich in diesem Bereich kontinuierlich fortbildete, führte ganz konsequent zu seiner Berufung als Schuldekan für den Kirchenbezirk Emmendingen.

Hans Maaß gehörte zu den Religionslehrern, die die Zeit des Aufbruchs von der Evangelischen Unterweisung hin zu einem mehr subjektorientierten Unterricht maßgeblich vorantrieben. Als Mitglied der Kommission zur Erstellung der Lehrpläne für evangelischen Religionsunterricht in der Grundschule stellte er auch in seiner bescheidenen und menschenfreundlichen Art seine Fähigkeiten ganz in den Dienst der Aufgaben, die ihm anvertraut waren. Mit seiner Berufung zum Kirchenrat im Schulreferat des Evangelischen Oberkirchenrats kam eine Fülle von neuen Aufgaben auf ihn zu: Er vertrat das Schulreferat in der Gemeinsamen religionspädagogischen Kommission, die die Schulischen Fragen zwischen der badischen und württembergischen Landeskirche koordiniert. Er wurde Mitglied im Redaktionskreis „entwurf“ und hat dort über Jahrzehnte hinweg als theologisch kompetenter Autor viele wertvolle Beiträge zur Entwicklung der Religionspädagogik geliefert (Hier nur einige wenige bis heute lesenswerte Artikel "Aus ihnen stammt der Christus"(2/86), Was Christen von Juden über Jesus lernen können (1/96); "Siehe, ich sende einen Engel vor dir her". Von Engeln und Himmelswesen in Bibel und Judentum (3/2001); Unser tägliches Brot gib uns heute (3/2009). Unschwer erkennbar war sein tiefes Interesse an einem vertieften und genauen Verständnis des Judentums in all seinen Erscheinungsformen. Der 1995 anlässlich seines 60. Geburtstages erschienene Sammelband „Für ein neues Verhältnis zwischen Christen und Juden“ und vor allem sein 2012 herausgegebenes „Bibelstellenregister zum Talmud und Belegstellen aus Qumran“ brachte dies deutlich zum Ausdruck.

Am meisten galt doch sein Interesse den Menschen, die ihm begegneten. Und wer ihn kennenlernen durfte, erlebte einen warmherzigen, freundlichen, sehr an seinem Gegenüber interessierten Menschen, der sein breites Fachwissen nicht in den Vordergrund stellte, sondern die Schätze seines Wissens bereitwillig mit allen teilte, die es benötigten.
Dass er zusätzlich zu allen Aufgaben auch noch Mitglied in den Lehrplankommissionen aller Schularten, Schriftführer der Lernmittelzulassungskommission, und Grundlagenarbeit im Kreis der Schuldekane und in Verbindung mit dem im Entstehen begriffenen Religionspädagogischen Instituts leistete, zeigt nur sein hohes Engagement und seinen Einsatz, der ihn immer auszeichnete.

Mit den Vocationslehrgängen, die er verantwortlich leitete und inhaltlich gestaltete, den PH-Prüfungen, der fachlichen Beratung und Fortbildung der Schuldekane und Fachberater sowie seiner Verbindung zur Gemeinschaft Evangelischer Erzieher in Baden gelang es ihm ein ganzes Netzwerk von Verbindungen zu den Religionslehrkräften herzustellen.
Durch die Umgestaltung des Referats in ein „Referat für Erziehung und Bildung in Schule und Gemeinde“ wurde die Zuständigkeit für das RPI noch enger und anstelle der Bereiche Gymnasien und Berufliche Schulen erhielt er die Verantwortung für Kindergottesdienst und Konfirmandenunterricht.

Seit 1984 arbeitete er im Studienkreis Kirche und Israel mit und bereicherte inhaltliche Arbeit durch theologische Thesen und Stellungnahmen. Durch viele Studienreisen mit Religionslehrkräfte nach Israel, durch die er aufgrund der vielfältigen und vertrauensvollen Kontakte zu den Menschen vor Ort, eröffnete er Vielen ein Verständnis für die Fragestellungen der christlichen und jüdischen Gesprächspartner und eine vertiefte Sensibilität für das besondere Verhältnis zwischen Juden und Christen. Von 1985-2019 leitete er die Christlich-Jüdische Bibelstunde in der Petrus-Jakobus-Gemeinde, vermittelte Termine und kannte alle, die sich für diese Arbeit interessierten und engagierten.
Seit 1986 nahm er in der Gemeinschaft evangelischer Erzieher über den Dienstauftrag hinausgehend die Hauptverantwortung für die Tagungsplanung und Referentengewinnung wahr. Dies tat er in großer Treue bis 2015.
Daneben nahm er einen Lehrauftrag an der PH Karlsruhe wahr mit dem Schwerpunkt des christlich-jüdischen Dialogs, der Israel- und Palästinakunde, Theorie und von Praxis des Religionsunterrichts zwischen Kirche und Staat.

Mit der Versetzung in den Ruhestand zum 1998 erhielt Kirchenrat Hans Maaß von der Pädagogische Hochschule Karlsruhe die Würde eines Doktors der Erziehungswissenschaft ehrenhalber (Dr. paed. h. c.) für die maßgeblichen Verdienste um Forschung und Lehre in der Evangelischen Theologie / Religionspädagogik verliehen.

Dass sein Einsatz für die Verständigung zwischen Christen und Juden, bis kurz vor seinem Tod immer weiter ging, lag in seinem Wesen begründet. Die Landeskirche verliert mit ihm einen hochgeschätzten und theologisch profund gebildeten Pfarrer aber vor allem einen Christenmenschen, der sich immer des paulinischen Wortes bewusst war: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“