Sobottke: Menschen müssen anderen wieder zuhören lernen

Mannheim, (28.06.2021). Lernen aus Corona: Versöhnung ist nach Worten der Mannheimer Pfarrerin Ilka Sobottke nun die wichtigste Aufgabe. „Wir haben während der Pandemie verlernt, Menschen anderer Meinung zuzuhören“, sagte die Pfarrerin Ilka Sobottke am Wochenende beim SWR-Talk „Nah dran - Was macht Corona mit unserer Gesellschaft?“ in Mannheim. Sobottke, die aus der ARD-Sendung „Wort zum Sonntag“ bekannt ist, hatte im Fernsehen für die Impfung gegen Covid-19 geworben und war deshalb zuletzt Hasstiraden ausgesetzt.

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Die Gesprächsrunde wurde live aus dem SWR-Studio Mannheim-Ludwigshafen übertragen. Mit der Medienpfarrerin Sobottke diskutierten der Comedian Bülent Ceylan, der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD), die Geschäftsführerin der Handballmannschaft Rhein-Neckar-Löwen, Jennifer Kettemann, und SWR-Intendant Kai Gniffke über ihre Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus der Krise.
 
Zum Thema Spaltung der Gesellschaft sagte Kurz, Corona sei ein „Beschleuniger von Trends, die vorher schon da waren“. Die Pandemie wirke wie ein Brennglas und zeige, dass die gesellschaftliche Mitte „voll infiziert“ sei. Er gehe davon aus, dass weitere Krisen kommen werden. Die Frage der Zukunft sei, ob autoritäre Staaten wie China mit Blick auf den Klimawandel handlungsfähiger seien als Demokratien.
 
Die Pandemie habe auch die Rolle der Medien verändert, sagte Gniffke. Er habe selten so viel Zuspruch für das Programm der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt erhalten. Der Vorwurf andererseits, nur die herrschende Meinung zu vertreten, sei „kein neues Phänomen“. Die Krise habe deutlich gemacht, dass neben Radio- und Fernsehprogrammen Social Media und digitale Plattformen für Diskussionen gefragt seien.
 
Für Künstler sei der Lockdown „wie ein Berufsverbot“ gewesen, sagte Ceylan. Die Menschen bräuchten jedoch Humor: „Wir dürfen uns als Komiker nicht in die Depression treiben lassen.“ Lachen sei gut fürs Immunsystem. Die Krise habe bewusst gemacht, wie wichtig Geselligkeit sei. Gesellschaftlich wünsche er sich „mehr Bewusstsein dafür, dass der Mensch auch Verantwortung für die Umwelt hat“.
 
Von finanziell schwierigen Zeiten berichtete Kettemann von den Rhein-Neckar-Löwen. Sie hob zugleich die Solidarität vieler Fans hervor, die auf das Geld für ihre Dauerkarte verzichtet hatten. „Der Sport hat eine Ventilfunktion“, beschrieb sie den gesellschaftlichen Auftrag der Sportvereine. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass der Sport gestärkt aus der Krise hervorgehen werde.
 
Viele Menschen hätte sich im Laufe der Lockdowns in ihre eigene „bubble“ (Blase von Gleichgesinnten) zurückgezogen, betonte Sobottke. Die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen sei verlorengegangen. „Wir müssen es aushalten, dass wir in einer pluralen Gesellschaft leben“, sagte sie und forderte zu mehr Streitgesprächen auf. Nicht der Ruf nach einem starken Mann oder einer starken Frau rette, sondern eine offene Gesellschaft.
 
Quelle: epd