Ökumenisch auf dem Weg zur Klimaneutralität

Erzdiözese und Landeskirche setzen sich gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung ein

Freiburg/Karlsruhe, (25.06.2021). Die Erzdiözese Freiburg und die Evangelische Landeskirche in Baden engagieren sich gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung: Die Erzdiözese Freiburg hatte sich ursprünglich das Jahr 2030 zur Zielerreichung der Klimaneutralität gesetzt. Die Landeskirche beginnt jetzt die Diskussion um den Weg hin zur Klimaneutralität. Derzeit entwickeln beide Kirchen gemeinsam ihre Klimaschutzkonzepte weiter. Im Rahmen eines Schwerpunkttreffens beschäftigt sich die Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden an diesem Freitag, 25.6., mit der Frage, wie die Landeskirche Klimaneutralität erreichen kann.

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Grundlage für die Überlegungen in beiden Kirchen sind zwei Klimaschutzstudien, welche vom Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Heidelberg und dem Öko-Institut e.V. in Freiburg parallel für die Erzdiözese und die Landeskirche erarbeitet wurden. Bereits Anfang Juni hat sich die Kommission Schöpfung und Umwelt der Erzdiözese Freiburg mit ihrer Klimaschutzstudie beschäftigt. Am 10. August wird sie offiziell an den Erzbischof überreicht.

„Die Klimakrise steht uns im Weg. Eigentlich bräuchten wir die Investitionen in Klimaneutralität jetzt für unsere ‚Kernaufgaben‘. Aber die Klimagerechtigkeit verlangt unser Handeln!“, so Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh zur Studie. „Die Klimakrise ist eine Gerechtigkeitsfrage – für zukünftige Generationen und heute schon für Millionen Menschen im globalen Süden.“ Cornelius-Bundschuh ist überzeugt: „Wollen wir glaubwürdige Akteure in der Nachhaltigkeitsdebatte bleiben, müssen wir deshalb gerade dort, wo wir selbst etwas beitragen können, Vorreiter sein und nicht Bremser. Das betrifft unsere Haltung und unser persönliches Verhalten; das betrifft unser Engagement vor Ort in unseren Gemeinden und Kommunen; das betrifft unser Miteinander mit Partnerkirchen; das betrifft unser Engagement für eine Politik, die den CO2-Ausstoß schnell und verbindlich begrenzt. Das betrifft schließlich in besonderer Weise unseren eigenen Umgang mit Gebäuden und auch mit Mobilität und was wir einkaufen.“

Die Bewahrung der Schöpfung gehört zum christlichen Grundverständnis. In ihren „Ökologischen Leitlinien“ hat die Evangelische Landeskirche in Baden Umwelt- und Klimaschutz als ihre Kernaufgabe festgeschrieben. Diese wurden im April 2003 durch die Landessynode verabschiedet. Hatte das erste Klimaschutzkonzept noch das Ziel, bis 2020 die CO2-Emissionen um 40 % zu senken, lautet die Gutachter-Empfehlung für das aktuelle Klimaschutzkonzept die Klimaneutralität bis zum Jahr 2040 anzustreben.

Das Klimaschutzkonzept der Erzdiözese Freiburg ist der Etappenplan, wie die Erzdiözese ihr Ziel der Klimaneutralität erreichen kann. Das Konzept umfasst fast 50 konkrete Maßnahmen sowie einen Zeitplan und wird für die Handlungsfelder Bau und Energie, Mobilität sowie Beschaffung entwickelt. Es gilt für die Kirchengemeinden und die unselbstständigen Einrichtungen der Erzdiözese. Das Klimaschutzkonzept der Erzdiözese wurde mit einer breiten Akteursbeteiligung erstellt, so dass die Erfahrungen, die Kompetenzen und Anregungen von Fragenden und Verantwortlichen aller Ebenen einfließen konnten. Die Auftragnehmer haben zwar einen Weg zur Zielerreichung 2030 dargestellt. Sie kommen aber zum Urteil, dass eine Realisierung fast nicht möglich ist. „Wir müssen den eingeschlagenen Weg nun mit Hochdruck und auch deutlich mehr Investitionen weiter beschreiten. 2025 werden wir zunächst eine Zwischenbilanz ziehen und dann das Datum für die Klimaneutralität nachschärfen. Es sollte die ‚2030 –Linie‘ nur ein paar wenige Jahre überschreiten“, so Reinhold John, Leiter der Diözesanstelle für Schöpfung und Umwelt in Freiburg.

„Eine Besonderheit ist, dass die Gutachten zu den zukünftigen Klimaschutzkonzepten parallel und in ökumenischer Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Freiburg erarbeitet wurden“, stellt André Witthöft-Mühlmann, Leiter des Büros für Umwelt und Energie der badischen Landeskirche fest. „Der verstärkte Austausch war sehr fruchtbar für die Erstellung beider Konzepte. Aus der ökumenischen Zusammenarbeit ergeben sich viele Ideen, wie Klimaschutz gemeinsam gelingen kann. Dieser Austausch und die gemeinsame Planung motivieren und beflügeln beide Kirchen auf dem Weg zur Klimaneutralität.“

Für die Evangelische Landeskirche in Baden zeigt die Studie für 2018 insgesamt ca. 52.600 Tonnen CO2-Emissionen (CO2e) in den Bereichen Gebäude, Mobilität und Beschaffung, von denen ca. 10.000 Tonnen CO2e durch den Stromverbrauch der Gebäude und ca. 30.000 Tonnen CO2e durch den Wärmebedarf der Gebäude (Kirchengemeinden und Einrichtungen), verursacht werden. Gut 8.000 Tonnen CO2e entfallen auf die Mobilität, und knapp 4.800 Tonnen CO2e auf die Beschaffung.
 
Die Studie empfiehlt ein umfangreiches Maßnahmenpaket, um das Ziel Klimaneutralität zu erreichen. Die Landessynode beschäftigt sich während ihrer Schwerpunktsitzung mit der Umsetzbarkeit dieser Maßnahmen. Das eigentliche Klimaschutzkonzept, das im Folgenden von der Landeskirche entwickelt wird, soll auf der Herbsttagung der Landessynode im Oktober beraten werden.

Auch für das Erzbistum Freiburg wurde das Jahr 2018 als Bezugsjahr genommen. Die Bilanz zeigt hier Emissionen von insgesamt knapp 99.000 Tonnen CO2 für die Bereiche Gebäude (Strom: 19.000 Tonnen; Wärme: 58.000 Tonnen), Mobilität (13.000 Tonnen) und Beschaffung (ca. 9.000 Tonnen). Zahlreiche Maßnahmen zur Sanierung, energetischen Ertüchtigung und eine große Photovoltaik-Offensive stehen zur Diskussion. Im Frühherbst wird sich der Erzbischof in einer Kurienkonferenz mit der Weiterentwicklung des Konzeptes intensiv befassen. Damit in der Zwischenzeit keine wertvolle Zeit verstreicht, werden bestehende Klimaschutzprojekte fortgeführt und die vorgeschlagenen Maßnahmen initiiert.

„Mit dieser Studie haben wir nun ein Konzept vor uns liegen, dass der Erzdiözese Freiburg den Weg in die Klimaneutralität weist. Die Umsetzung der Maßnahmen benötigt viel Zeit, Engagement aller Beteiligten auf allen Ebenen und in allen Einheiten. Es braucht viel Mühe, Arbeit und auch finanzielle Mittel“, resümiert Weihbischof und Bischofsvikar für Schöpfung und Umwelt Dr. Peter Birkhofer, „Vieles lässt sich in enger ökumenischer Zusammenarbeit erreichen. Für das große Ganze müssen wir aber noch deutlich mehr Kraft aufbringen als bisher. Und ich schaue nach vorn, das Klimaschutzkonzept wird nun in den Gremien diskutiert, eine Biodiversitätsstrategie muss dagegen noch grundlegend erarbeitet werden.“
 
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Kontakt:

Für die Ekiba: Dr. André Witthöft-Mühlmann, Umweltbeauftragter der Evang. Landeskirche in Baden und Leiter des Büros für Umwelt und Energie. Tel. 0721 9175840; Email: andre[dot]wittoeft-muehlmann[at]ekiba[dot]de

Für das Erzbistum: Dr. Reinhold John, Leiter der Diözesanstelle für Schöpfung und Umwelt,
 
  

Alexandra Weber

Stellvertretende Pressesprecherin