„Mit Gott auf dem Weg“ - zentraler ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer von Flucht und Vertreibung

Heidelberg, (20.06.2021). Zum Gedenken an die Opfer von Flucht und Vertreibung haben Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg) und Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) am Weltflüchtlingstag einen zentralen ökumenischen Gottesdienst in Heidelberg gefeiert - im Namen der vier großen christlichen Kirchen in Baden-Württemberg. Der ökumenische Stationengottesdienst stand unter dem Motto „Mit Gott auf dem Weg“ und fand unter freiem Himmel am Stadtrand von Heidelberg statt.

Quelle: Peter Wegener / Katholisches Dekanat Heidelberg-Weinheim - eingebettet von www.ekiba.de

„Gott ist an der Seite der Heimatlosen – heute, wie zu allen Zeiten“, erklärte Bischof Fürst. Das christliche Liebesgebot solle Anspruch den Menschen gegenüber sein, die bei uns Heimat suchen. „Das Gebot der Nächstenliebe bewahrt davor, Fluchtursachen zu ignorieren und gleichzeitig die Not der Flüchtlinge nicht zu erkennen und zuzusehen, dass Menschen an den EU-Außengrenzen in Lagern unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen oder dass sie im Meer ertrinken“, sagte Fürst. „Gottes Gebot gilt für uns alle! Asylrecht ist ein Menschenrecht!“ Gerade in Deutschland habe es nach dem Zweiten Weltkrieg Erfahrungen mit gelungener Integration gegeben.

„Mit diesem Gottdienst auf dem Weg wollten wir uns den Weg der Geflüchteten vom Aufbruch in ihren Heimatländern bis zu ihrer Ankunft in Heidelberg vergegenwärtigen“, erklärte Cornelius-Bundschuh. „Wir wollen uns klar machen, dass Gott mit den Flüchtenden geht, so wie er damals Jesus und seine Eltern auf ihrer Flucht nach Ägypten begleitet hat. Wir lassen uns von Gott in die Verantwortung rufen, dass, wenn Fluchtursachen nicht überwunden werden können, Fluchtwege sicherer werden.“

Bis zum Eingang des baden-württembergischen Erstaufnahmezentrums im Patrick-Henry-Village bewegten sich die Teilnehmenden in Prozessionsform, gehend und innehaltend, singend, betend und auf Gottes Wort hörend. Der Gottesdienst endete vor den Toren des Erstaufnahmezentrums. Die beiden Bischöfe führten dort Gespräche mit Geflüchteten, Mitarbeitenden des Zentrums, der Beratungsdienste und mit Ehrenamtlichen.
 
  

Dr. Daniel Meier

Ehemaliger Pressesprecher der Landeskirche (2012-2023)
 

 
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Ökumenischer Pilger-Gottesdienst zum Weltflüchtlingstag - Landesbischof ruft zur Bekämpfung der Fluchtursachen auf

 
Flucht und Vertreibung waren die zentralen Themen beim Gedenkgottesdienst der christlichen Kirchen. Rund 82 Millionen Flüchtlinge gibt es Schätzungen zufolge weltweit. Das entspräche der gesamten Bevölkerung Deutschlands.
 
Anlässlich des Weltflüchtlingstags (20. Juni) gedachten die vier großen christlichen Kirchen in Baden-Württemberg am Sonntag in Heidelberg der Opfer von Flucht und Vertreibung. Unter dem Motto „mit Gott auf dem Weg“ hatten Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh von der evangelischen Landeskirche in Baden und Bischof Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart zu einem Stationen-Gottesdienst eingeladen.
 
„Mit diesem Gottdienst auf dem Weg wollten wir uns den Weg der Geflüchteten vom Aufbruch in ihren Heimatländern bis zu ihrer Ankunft in Heidelberg vergegenwärtigen“, erklärte Landesbischof Cornelius-Bundschuh bei der Feier, die aufgrund der Corona-Pandemie mit begrenzter Personenzahl und unter freiem Himmel stattfand. „Wir wollen uns klar machen, dass Gott mit den Flüchtenden geht, so wie er damals Jesus und seine Eltern auf ihrer Flucht nach Ägypten begleitet hat.“
 
„Gott ist an der Seite der Heimatlosen - heute, wie zu allen Zeiten“, erklärte Bischof Gebhard Fürst. Das christliche Liebesgebot solle Anspruch den Menschen gegenüber sein, die bei uns Heimat suchen. „Das Gebot der Nächstenliebe bewahrt davor, Fluchtursachen zu ignorieren und gleichzeitig die Not der Flüchtlinge nicht zu erkennen und zuzusehen, dass Menschen an den EU-Außengrenzen in Lagern unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen oder dass sie im Meer ertrinken“, sagte Fürst. Asylrecht sei ein Menschenrecht, betonte der Bischof. Gerade in Deutschland habe es nach dem Zweiten Weltkrieg Erfahrungen mit gelungener Integration gegeben.
 
Dem Anlass des Gedenkens entsprechend war der Gottesdienst schlicht gehalten: kein Orgelspiel, keine prächtig geschmückte Kirche. Stattdessen eine Prozession am Stadtrand von Heidelberg mit dem Erstaufnahmezentrum als Endpunkt. Auf dem Weg wurde gebetet, ein Lied gesungen und der Vertrieben und Geflüchteten gedacht.
 
Kurze Geschichten von Geflüchteten, die auf dem Weg verlesen wurden, machten die vielfältigen Ursachen, die Umstände einer Flucht und die Erfahrungen nach der Ankunft in Deutschland greifbar. So berichtete ein Christ aus dem Iran von heimlichen Bibelstunden im Untergrund. Seine Gruppe sei gefoltert worden, er habe als einziger fliehen können. Nun hoffe er auf Asyl wegen Verfolgung aus religiösen Gründen.
 
In seiner Predigt mahnte Landesbischof Cornelius-Bundschuh, alles zu tun, um Fluchtursachen zu bekämpfen. „Aber zu oft profitieren viele und auch wir von wirtschaftlichen Verbindungen und ungerechten Verhältnissen, von billigen Arbeitskräften, von Sündenböcken, von einem ökologischen System, das Dürre und Hunger bringt“, sagte er. Weil wir selbst eingebunden seien, gelingt es so wenig, die Ursachen von Flucht und Vertreibung aufzulösen. Wenn schon die Fluchtursachen nicht überwunden werden könnten, müssten Fluchtwege sicherer werden, sagte der Landesbischof.
 
Nach den anschließenden Gesprächen mit Ehrenamtlichen, Verantwortlichen und Geflüchteten zeigten sich beide Bischöfe beeindruckt von den „gut organisierten und an der Würde des Einzelnen orientierten Abläufen“ in dem seit 2015 bestehenden Erstaufnahmezentrum Heidelberg. Einrichtungsleiter Markus Rothfuß betonte, der „Geist von 2015“, das rechtsstaatliche Verfahren mit humanitärer Haltung zu verbinden, solle auch künftig beibehalten werden.
 
Quelle: epd