"Aufgeblüht" zeigt die Schönheit des Alters

Demenzprojekt verweist mit einer besonderen Ausstellung auf Hilfen

Heidelberg/Karlsruhe, (14.06.2021). „Gott lässt sich nicht beeindrucken, von all dem, woran wir einander messen“, so Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh im Gottesdienst anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Aufgeblüht“ am Sonntag in der Heiliggeistkirche Heidelberg. Die Ausstellung lässt mit Fotografien die Schönheit des Alters sichtbar werden.

Quelle: www.aufgeblüht.de - eingebettet von www.ekiba.de

In Deutschland leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Der Umgang damit ist eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft. Mit der Ausstellung "Aufgeblüht" will die Akademie für Ältere in Heidelberg die Enttabuisierung der Krankheit fördern. „Von Lebenskraft und Verletzlichkeit erzählen diese Bilder, von Vertrauen und einer Geborgenheit, die meine Vorstellungskraft übersteigt“, erklärte der Landesbischof in seiner Predigt. „In ihrer Warmherzigkeit erweitern sie meine Perspektive auf das Älterwerden und auf das Vergessen; sie prägen mir ein, wie liebevoll Gott uns ansieht.“
 
Die Fotografien zeigen Bilder von Menschen mit und ohne Demenz, umgeben von Erinnerungsstücken und ihren Lieblingsblumen. Anliegen des Projektes sei es, das Thema Alter und Demenz neu zu sehen, sagten die Künstlerinnen Jule Kühn und Susanne Lencinas gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd).
 
Über zwei Jahre haben die hauptberufliche Lehrerin für bildende Kunst und die Fotografin dazu mehr als zwei Dutzend Seniorinnen und Senioren abgelichtet. Die Gesellschaft stigmatisiere das Alter häufig, sagt Jule Kühn. Für sie seien ältere Menschen eine „wertvolle, inspirierende Quelle“. Sie schätze die Gelassenheit und die Lebenserfahrung von Seniorinnen und Senioren. Von ihnen könne man viel lernen.
 
Mit der Ausstellung „Aufgeblüht“ will die Akademie für Ältere in Heidelberg zusammen mit acht weiteren Partnern aus Stadt und Kirche eine „lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ anstoßen. Die Allianz soll demenziell Erkrankten helfen, möglichst lange am öffentlichen Leben teilzuhaben. Die Ausstellung wird im Rahmen des Projektes „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
 
Schwerpunkt des Foto-Kunst-Projektes waren ursprünglich Menschen mit Demenz. Doch im Bekanntenkreis der Initiatorinnen und in Seniorenheimen fanden sich schnell auch Unterstützerinnen und Unterstützer, die an der Enttabuisierung der Krankheit mitwirken wollten. So ließen sich unter anderen die Mutter des Mannheimer evangelischen Dekans Ralph Hartmann oder die gebürtige Österreicherin Maria Rebhan fotografieren.
 
Die Fotosession mit ihren Lieblingsblumen - rosé-lachsfarbene Rosen - habe ihr viel Spaß gemacht, berichtete Maria Rebhan, die seit 1995 in Heidelberg lebt. Der „Röntgenblick“ der Künstlerinnen habe einen neuen Zugang zu ihrer Persönlichkeit ermöglicht, „nicht nur über das Äußere“. Kopfschmuck, Kleidung und Blumenarrangement hätten sie so dargestellt, wie „ich von innen heraus bin“, freut sich die 73-Jährige.
 
Sie schätze es, sagt das Senioren-Model, dass auf dem Foto ihre spirituelle Seite, nicht nur der Körper zum Ausdruck komme. Das seien Persönlichkeitsaspekte, die sie normalerweise vor anderen verstecke, sagt Maria Rebhan. „Wir geben den Menschen ein Stück ihrer Identität zurück“, weiß Jule Kühn. Vor dem Kameraklick nehmen sich Jule Kühn und Susanne Lencinas einige Stunden Zeit, um in das Leben und die Erinnerungen des jeweiligen Models einzutauchen.
 
Eine ehemalige Tänzerin etwa, die mittlerweile demenziell erkrankt ist, habe sich in tänzerischen Bewegungen „glücklich“ getanzt, berichtete Susanne Lencinas, und so „ihre eigene Realität geschaffen.“ Wichtig sei es, beim Fotografieren authentisch zu bleiben, sagte die Fotografin. Sie wolle niemanden verkleiden, das sei „eine Gratwanderung“, so Lencinas.
 
Die Fotografien von „Aufgeblüht“ zeigen mit geradezu spielerischer Leichtigkeit eine kaum beachtete Seite von Alter und Demenz: freudige, lachende, teilweise auch melancholische Menschen. Sie sind schön, „weil sie nichts zu verlieren haben und keine soziale Rolle mehr spielen müssen“, sagen Jule Kühn und Susanne Lencinas.
 
Quelle: epd /
  

Alexandra Weber

Stellvertretende Pressesprecherin
 

Info

Das Foto-Kunstprojekt www.aufgeblüht.de/ ist vom 13. Juni bis 8. Juli 2021 in der Heiliggeistkirche Heidelberg zu sehen. Für die Auftaktveranstaltung am 13. Juni im Rahmen der Woche der Diakonie mit Gottesdienst unter Leitung des evangelischen Landesbischofs Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh ist eine Voranmeldung erforderlich. Anschließend ist «Aufgeblüht» vom 16. September bis 17. Oktober 2021 in der Auferstehungskirche auf der Landesgartenschau in Überlingen und vom 24. November bis 26. November 2021 auf dem Deutschen Seniorentag in Hannover zu sehen.
 

 
Die Predigt des Landesbischofs Jochen Cornelius-Bundschuh anlässlich der Ausstellungseröffnung finden Sie hier: https://www.ekiba.de/landeskirche-gemeinden/landesbischof/predigten/detail/nachricht-seite/id/32743-aufgeblueht/?default=true