Ausstellung blickt auf 200 Jahre evangelische Landeskirche Baden
Seltene Exponate im Generallandesarchiv zu sehen
Karlsruhe, (20.05.2021). Unter dem Titel „Aus der Trennung heraus! 200 Jahre Evangelische Landeskirche Baden“ beleuchten das Generallandesarchiv Karlsruhe und der Evangelische Oberkirchenrat in einer gemeinsamen Ausstellung die Geschichte der Landeskirche. Zu sehen sind ab Dienstag, 25. Mai, zum Teil bislang unbekannte Exponate. Der Leiter des Generallandesarchivs Karlsruhe Wolfgang Zimmermann sprach gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) von einem „Zeichen der Wertschätzung“, dass die Ausstellung in den Räumen des Generallandesarchivs Karlsruhe präsentiert wird.
Die Schau zeichnet den Weg der evangelischen Landeskirche in Baden von der Unterzeichnung der Generalsynode am 26. Juli 1821 über die Ökumene mit der Katholischen Kirche bis hin zur erweiterten Ökumene mit anderen Ländern und anderen religiösen Gemeinschaften in der heutigen pluralistischen Gesellschaft nach. Mit der Unionsurkunde schlossen sich 1821 Lutheraner und Reformierte zusammen. Oberhaupt der neuen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Baden, in der reformierte Traditionen aus der Kurpfalz und lutherisches Erbe der Markgrafschaft Baden eine Heimat fanden, war der Großherzog von Baden.
Das Altarkreuz der Karlsruher Schlosskirche von Karl Siebenpfeiffer aus Holz, Silber und Elfenbein ist ein lebendiges Symbol für die lange Verbindung von Thron und Altar. Es war das Hochzeitsgeschenk für die Prinzessin Luise von Preußen mit Großherzog Friedrich I. von Baden. Der Talar der ersten rechtlich gleichgestellten Pfarrerin der Landeskirche Hilde Bitz erinnert daran, dass die Ordination von Frauen auch in Baden umstritten war.
Zentrales Exponat der Ausstellung ist die Original-Unionsurkunde, handgeschrieben auf Papier. Als weltliche Urkunde stellt sie die Verbindung zwischen Staat und Kirche dar, die bis in die Gegenwart hineinwirkt. Der Kurator der Ausstellung, Udo Wennemuth vom evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe, spricht von „einer hinkenden Trennung von Staat und Kirche in Deutschland“.
Die Problematik dieser nie gänzlich aufgegebenen Verbindung zeigt die Jubiläumsausstellung in den Schautafeln und Dokumenten aus dem 1. Weltkrieg und der NS-Zeit. Wenn in Gottesdiensten vom „Kampf für eine gerechte Sache“ gesprochen wurde, stimmten auch Pfarrer letztlich dem Krieg zu. Das Feldtagebuch des Feldgeistlichen Gustav Rost aus dem Elsass und Baden listet Kriegsgottesdienste und Beerdigungen zwischen 1914 und 1918 auf.
Filmisch festgehalten aus der NS-Zeit sind kirchliche Festumzüge, bei denen junge Mädchen und Jungen unter den Blicken der politischen Führung marschieren. Dem Thema Verfolgung widmet sich die Ausstellung am Beispiel des Pfarrers Kurt Lehmann aus Karlsruhe-Durlach. Als „Nichtarier“ wurde er im Nationalsozialismus angefeindet und strafversetzt.
Neben dem Themenbereich „Kirche und Staat“ und „Entwicklung zur Union“ geht die Präsentation auf die Stellung der Frau in der Evangelischen Landeskirche sowie auf „Frömmigkeit im Alltag“ ein. „Sozialismus und Kirche“, „Kirche und Kunst“ sowie „Ökumene weltweit“ sind weitere Aspekte, wie Kirche in die Zivilgesellschaft hineinwirkt. „Der Staat kann aus sich heraus keine Werte schaffen, dazu braucht es mehr“, sagte Wolfgang Zimmermann.
Quelle: epd
Die Ausstellung ""Aus der Trennung heraus! 200 Jahre Evangelische Landeskirche Baden" ist ab 25. Mai für die Öffentlichkeit täglich von Dienstag bis Freitag sowie Sonntag zugänglich. Besucher müssen sich registrieren lassen und benötigen einen negativen Corona-Schnelltest, einen Impfnachweis oder den Nachweis einer überstandenen Covid-19-Erkrankung. Für Führungen ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.


