Anders aber unverzichtbar

Vesperkirchen in Baden wurden dankbar angenommen

Karlsruhe/Mannheim/Pforzheim/Singen, (05.02.2021). Alles war anders, vieles war nicht möglich und doch war und ist es ein unverzichtbares Angebot – die Vesperkirchen in Karlsruhe, Mannheim und Pforzheim ziehen eine positive (Zwischen-)Bilanz ihrer diesjährigen Angebote unter Corona-Bedingungen. In Singen wurde die Vesperkirche zunächst verschoben.

Quelle: Alexander Kästel - eingebettet von www.ekiba.de

„Man kann man die Vesperkirche dieses Jahr überhaupt nicht mit den früheren Jahren vergleichen. Es gibt keinen gemütlichen Aufenthalt in der Kirche, alles findet draußen statt, das Wetter war in den letzten Wochen sehr schlecht“, erklärt Pfarrerin Lara Pflaumbaum, die die Vesperkirche in Karlsruhe mit organisiert. „Und trotzdem ist es total wichtig, dass die Vesperkirche stattfindet. Sie wird mit einer wahnsinnigen Dankbarkeit angenommen und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten unglaublich engagiert mit.“ Wenn die Karlsruher Vesperkirche am Sonntag in einem Abschlussgottesdienst endet, wird sie mehr als 6.000 warme Essen und nochmal etwa genauso viele Vesperpakete verteilt haben. 175 Mitarbeitende haben sich in den insgesamt vier Wochen in der Essensausgabe, in der Kleiderkammer oder bei den Gesprächsangeboten für die etwa 300 Gäste pro Tag engagiert. Vor allem warme Kleidung wie z.B. selbstgestrickte Socken, Mützen und Schals waren dieses Jahr in Karlsruhe gefragt. Viele Gespräche fanden „nebenher“ bei der Kleiderausgabe oder beim Warten über die Absperrungen hinweg statt. In einem Briefkasten an Gott konnten Gäste ihre Nöte und Bitten aufschreiben, die dann in den Andachten ins Gebet aufgenommen wurden.
 
Die besonderen Sorgen und Nöte, die sich durch die Corona-Pandemie ergeben, kamen in den Gesprächen, die in den Vesperkirchen geführt wurden, auch immer wieder zur Sprache. So auch in Mannheim, wo Ende Januar bereits die 24. Mannheimer Vesperkirche erfolgreich zu Ende ging: „Wissen Sie, das mit der Pandemie ist schlimm. Man kann ja nirgends hin. Sonst konnte ich mal in einen Buchladen oder in die Bibliothek. Alles ist zu. Ich bin immer allein. Dann kommt die Einsamkeit“, erklärte beispielsweise ein älterer Mann, der schon seit Jahren regelmäßig zur Essensausgabe kommt.
 
Der Betrieb sei in Mannheim deutlich langsamer als sonst angelaufen. Erschienen am ersten Tag noch 200 Gäste, waren es bereits am 10. Tag über 400 Menschen. In Mannheim gab es das Angebot, das warme Essen auch im Kirchenraum – unter strengen Corona-Auflagen – einzunehmen. Das Angebot wurde allerdings nur von einem Drittel der Menschen genutzt, zwei Drittel der Gäste bevorzugten das Essen zum Mitnehmen. In früheren Jahren wurden rund 500 Essen täglich ausgegeben, dieses Jahr waren es knapp 390. Unterstützt wurde das Hygiene-Konzept von den Johannitern, die, wie in den Jahren zuvor, mit einer medizinischen Notversorgung vor Ort waren. Die Sozialberatungen des Diakonischen Werks und anderer Einrichtungen fanden in Mannheim nicht – wie bisher – im Kirchenraum statt, sondern in einem großen Raum im gegenüberliegenden Gebäude. „Dennoch haben viele den Weg zu uns gefunden“, berichtet Michael Graf, Direktor des Diakonischen Werks Mannheim. „Deutlich wurde, wie Corona die Situation vieler Menschen verschärft hat“, sagt er. So sei der Jobverlust durch die Pandemie ein immer wiederkehrendes Thema gewesen.

Auch in Pforzheim ist die Vesperkirche, die noch bis 14. Februar geöffnet hat, zunächst etwas verhaltener angelaufen. Die Zahl der Gäste habe sich aber von anfangs gut 200 auf inzwischen 300 bis 400 gesteigert. „Einige nehmen auch mehr Essen mit, für Bekannte, die lieber nicht ihre Wohnung verlassen. Damit kommen wir auf bis zu 450 Essen täglich“, erklärt Rudolf Mehl vom Leitungsteam der Ökumenischen Vesperkirche Pforzheim e.V. Inzwischen gebe man sogar bis zu 150 mehr Essen pro Tag heraus als in den vergangenen Jahren.
 
Neben einem Vesperpaket mit einer warmen Mahlzeit, Brot, Wurst- und Käseaufschnitt, Obst und etwas Süßem können Gäste auch das Gesprächsangebot nutzen. Die bisherige Mitarbeit und der Besuch von Schulklassen, Auszubildenden und anderen sei diesmal nicht möglich. Gearbeitet werde dieses Jahr in kleineren und möglichst festen Teams.
 
Noch in den Startlöchern stehen die Organisatoren der Vesperkirche in Singen. Derzeit verteilen die Mitarbeitenden der Tafel in Singen an Bedürftige ein Essen „to go“. Wenn es das Infektionsgeschehen wieder erlaubt, Gäste im Sitzen zu empfangen, wird die Vesperkirche dann an zwei Standorten in Singen die Tafelgäste bewirten: mit einem leckeren 3-Gänge-Menü, das der Caterer der Vesperkirche über drei Wochen hinweg liefern wird. Natürlich mit den entsprechenden Abstandsregeln und Hygieneauflagen. Mitglieder des Vesperkirchenteams sind dann jeden Tag vor Ort und bedienen die Gäste. Am Wochenende gibt es einen kleinen geistlichen Impuls. So kann zumindest in kleinem Umfang der Kontakt gepflegt und gehalten werden. In den vergangenen fünf Jahren empfing die Vesperkirche in der Lutherkirche täglich ca. 300 Personen.
 
Einen Film zur Karlsruher Vesperkirche finden Sie unten oder auf dem Youtube-Kanal der Evangelischen Landeskirche in Baden unter www.ekiba.de/youtube.
 
  

Alexandra Weber

Stellvertretende Pressesprecherin
 

Vesperkirche "to go"