"Moralisieren bringt überhaupt nichts"

Oberkirchenrat Wolfgang Schmidt zur Zeugnisausgabe

Karlsruhe (epd). An den Schulen in Baden-Württemberg werden in den nächsten Tagen die Halbjahreszeugnisse ausgegeben. Wie Eltern damit umgehen sollten, wenn das Zeugnis des Kindes mit Vieren und Fünfen gespickt ist, erläutert Oberkirchenrat Wolfgang Schmidt, neuer Bildungsreferent der Evangelischen Landeskirche in Baden und früherer Propst von Jerusalem. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) macht der Theologe deutlich, dass der Wert eines Menschen nicht an seinem Notendurchschnitt hängt. Er rät Eltern bei der Vergabe der Zwischenzeugnisse zu mehr Gelassenheit und gibt Einblicke in sein Schülerleben.

Quelle: Wolfgang Schmidt / privat - eingebettet von www.ekiba.de

epd: Was können Eltern machen, wenn ihr Kind ein schlechtes Zeugnis nach Hause bringt?

Wolfgang Schmidt: Ich denke, das Wichtigste ist, dass Eltern ihren Kindern Unterstützung und Halt geben. Moralisieren bringt überhaupt nichts.
Religionslehrer können an dieser Stelle auch helfen. Zum Beispiel, wenn sie im Unterricht deutlich machen, dass der Wert eines Menschen nicht an seinem Notendurchschnitt hängt. Gleichzeitig können sie die jungen Menschen ermutigen, an ihren Schwächen zu arbeiten.

epd: Sollten Eltern ihre Kinder für gute Noten belohnen?

Wolfgang Schmidt: Kinder sollten klar Wertschätzung für gute Noten empfangen. Das kann auch ab und zu eine materielle Form annehmen, aber Kinder sollten nicht für gute Noten bezahlt werden.

epd: Was waren Sie für ein Schüler?

Wolfgang Schmidt: Gut. Meist gut - mit einzelnen Ausreißern, etwa in Physik (lacht). Wenn ich die Karten ganz auf den Tisch legen soll - ich habe auch einmal den Religionsunterricht abgewählt. Ich fand den Lehrer so langweilig. Glücklicherweise hatte mir der Religionsunterricht anderer Lehrer so viel gegeben, dass mich das nicht von einem Theologiestudium abgehalten hat. 

Quelle: epd-Südwest